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Ercol Sitzbank Ulme und Buche

Ercol Sitzbank Ulme und Buche
Ercol Sitzbank Ulme und Buche
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Produktinformation

Artikelnummer 14788

Entwurf Lucian Ercolani, 1960. Sitzfläche massives Ulmenholz (Herkunft Nordamerika), Materialstärke max. 32,5 mm, mit 2 Sitzmulden. Gestell und Rückenlehne Buchenholz (Herkunft Frankreich) klarlackiert.
Höhe 83 cm, Breite 1,2 m, Tiefe 57 cm. Sitzhöhe 47,5 cm, Sitzfläche 112 x 43,5 cm. Gewicht 10,9 kg.
Hersteller:

Allgemeine Informationen

Ercol 450 (1960) – Love Seat.

Als die erste Fassung dieses Zweisitzers 1956 auf den Markt kam, sagte man bei Ercol zu Recht voraus, dass diese Sitzbank einmal als „Ikone“ des hauseigenen Windsor-Stils gelten würde. Der „Love Seat“ ist im Grunde die Verlängerung eines Einzelstuhls aus demselben Jahr. Die Sitzfläche aus Ulmenholz ist 1,12 m breit und hat statt einer zwei gefräste Sitzmulden. Die leicht gebogene Rückenlehne aus Buchenholz bestand beim Urmodell aus 13 Sprossen, bei dieser Variante aus dem Jahr 1960 aus nicht weniger als 19 Sprossen. Ercolani entwarf den Zweisitzer ganz bewusst als Multifunktionsmöbel und sah ihn nicht nur als Küchen- und Esszimmermöbel, sondern auch als „occasional settee“ in anderen Wohnbereichen. Die Beine der Sitzbank sind wie beim Butterfly-Stuhl in der „Wedge-Joint“-Technik verkeilt, wie vier sichtbare Kreise auf der Sitzfläche bezeugen.

Die neue, alte Einfachheit.

„We are great simplifiers in this country“, stellte Lucian Ercolani einmal fest, als er nach den typischen Merkmalen britischen Möbelbaus gefragt wurde. Das ist gewiss richtig – aber eben nur die halbe Wahrheit. Auch im britischen Möbelbau gab es über die Zeiten hinweg zwei gegensätzliche, sich geradezu im Pendelschlag abwechselnde Pole: Stile, die sich durch demonstrative Opulenz auszeichnen, und solche, die in Konstruktion und Gestaltung eher sparsame Zurückhaltung beweisen. Für Letztere steht der Windsor-Stil, der schon im 18. Jahrhundert populär war. Windsor-Möbel sind Leichtgewichte und weniger auf Repräsentanz als auf Funktion hin gestaltet. Das Augenfälligste an ihnen ist, dass sie gewissermaßen um die eigentliche Funktionsfläche herum konstruiert sind: Die klassischerweise leicht gespreizten Stuhlbeine und die Rückenlehne sind – zumeist in Gestalt gedrechselter Holzsprossen – an der Sitzfläche befestigt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie von Möbelbauern wie Lucian Ercolani in die Gegenwart „übersetzt“ und zum dominierenden britischen Möbelstil jener Zeit. Heute sind wir erneut zwei Pendelschläge weiter. Nachdem man sich auf der Insel in den Siebzigern gerne von den nunmehr als Nachkriegsästhetik empfundenen Stühlen, Tischen und Bänken getrennt hatte, um sie durch üppig gepolsterte Sitzlandschaften zu ersetzen, wächst neuerlich die Nachfrage nach den stabilen und handwerklich wie gestalterisch durchdachten Windsor-Möbeln à la Ercolani. Es gibt sie noch, denn die Möbelfabrik Lucian Ercolanis – 1920 als Furniture Industries Limited gegründet und seit 1958 als Ercol firmierend – besteht bis heute. Und seit einigen Jahren hebt sie den Schatz, den ihr der Gründervater hinterlassen hat: Unter der Bezeichnung „Ercol Originals“ entstehen Re-Editionen von Originalentwürfen Lucian Ercolanis.

„The Old Man“. Lucian Ercolani.

Ercol gilt vielen Briten als der Hersteller von Windsor-Möbeln schlechthin. Lucian Ercolani hatte nach seinem Studium am Shoreditch Technical Institute im East End von London bereits in jungen Jahren Möbelgestaltung gelehrt und hohe Positionen bei den wichtigsten Herstellern des britischen Möbelzentrums High Wycombe innegehabt, als er als 32-Jähriger ebendort seine eigene Produktionsstätte gründete, um unternehmerisch und gestalterisch freie Hand zu haben. Gerade Letzteres aber – die gestalterische Freiheit – sah er durchaus in Grenzen. Sein Ehrgeiz war es eben nicht, in grundstürzender Modernität „den Stuhl“ neu zu erfinden. Ercolani sah Gestaltung als evolutionären Prozess. Es ging ihm darum, das Werk der Vorväter Modell für Modell weiterzuentwickeln und zu verbessern. Dies galt insbesondere für sein Windsor-Sortiment. Überlieferte, auf genauester Kenntnis historischer Stuhlmodelle basierende Entwurfsskizzen verdeutlichen, wie Ercolani die Idee des Windsor-Möbels konsequent Schritt für Schritt perfektionierte.
„The Old Man“, wie er von seinen Mitarbeitern respektvoll genannt wurde, nutzte dabei einen modernen Maschinenpark, um neue Formen umsetzen zu können und um seine Möbel für den britischen Durchschnittshaushalt erschwinglich zu halten. Er zählte voll und ganz auf den Erfindungsgeist der Firmeningenieure: „The Old Man’s motto was, if there was no machine for the task, they would invent one“, wird von ihm berichtet. Das Zusammenspiel von präziser Handwerksarbeit und modernster Technik brachte den Erfolg. Ercol-Möbel waren in zahlreichen britischen Haushalten zu finden und das über viele Jahre gepflegte Markenzeichen – der „Ercolion“, ein Löwe in Schreinerkleidung – besaß einen enorm hohen Bekanntheitsgrad.

The English Tree – die Ulme.

Die 1950er und 1960er Jahre wurden für Ercol zu einer Glanzzeit. Es entstanden Hunderte von Windsor-Modellen, von denen etliche heute als Klassiker der Möbelgestaltung des 20. Jahrhunderts gelten. Als „The Old Man“ 1978 starb, hinterließ er seinen Söhnen Lucian und Barry ein gesundes Unternehmen, das gleichwohl schweren Zeiten entgegenging. Das lag nicht nur daran, dass der zurückhaltend-nüchterne Windsor-Stil zunehmend als „Nachkriegsstil“ wahrgenommen wurde. Ein zweites, nicht zu unterschätzendes Problem ergab sich aus ganz und gar unmodischen Gründen: Ercol fertigte insbesondere die Flächenteile seiner Windsor-Möbel aus Ulmenholz, dem Holz des „English Tree“, wie Ercolani den Baum einmal bezeichnete, weil die Ulme in Großbritannien sehr verbreitet war. Doch große Bestände der Ulmenpopulation fielen seit den Mittsiebzigern der „Dutch Elm Disease“ zum Opfer, einer Baumerkrankung, die auch in Kontinentaleuropa und Nordamerika wütete. Ulmenholz wurde zur Mangelware. Ercol war darauf angewiesen, eine Versorgung aus amerikanischen Beständen aufzubauen. Und zugleich sah man sich in High Wycombe immer mehr der Konkurrenz von billigen Fertigmöbeln aus China und Osteuropa ausgesetzt.

Ercol heute.

Ercol meisterte diese Zeit, indem es den alten Tugenden des Unternehmens vertraute: präzises Handwerk bei gleichzeitigem Einsatz hochmoderner Maschinen. Darüber hinaus pflegt Ercol bis heute eine zurückhaltende Modellpolitik. Einige Entwürfe sind seit Jahrzehnten im Programm und wurden im Laufe der Zeit nur geringfügig verändert. Und bei den von zeitgenössischen Möbelgestaltern entworfenen Novitäten der jüngeren Vergangenheit ist es offensichtlich, dass sie bei allem individuellen Ausdruckswillen stilistisch den vom Gründer formulierten gestalterischen Ideen verpflichtet bleiben. Eine Neuedition seiner besten Entwürfe ist auch in dieser Hinsicht konsequent. Ein Familienunternehmen ist Ercol bis heute: Seit 1993 führt Edward Tadros, ein Enkel Lucian Ercolanis, die Geschäfte.

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