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Heschung – Schuster, bleib bei deinen Leisten

Die zwiegenähte Machart ist als konstituierendes Merkmal strapazierfähiger Berg- und Arbeitsschuhe bekannt. Und mit genau solchen Exemplaren startete Eugène Heschung 1934 seine Karriere als selbstständiger Schuhmacher. Heute lassen nur noch wenige Modelle der Marke Heschung dieses Erbe vermuten, und das obwohl die handwerkliche Herstellungsvariante, klar erkennbar an den beiden sichtbaren Nähten, immer noch Anwendung findet. Womit bewiesen wäre: Eine robuste Anlage und ein elegantes Äußeres schließen sich nicht aus. Warum also eine Entscheidung fällen, wenn man auch beides haben kann?

 

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Fuß fassen. Die Entstehung der Firma Heschung.

Einst war das kleine Örtchen Dettwiller im französischen Elsass ein wahres Zentrum der Schuhproduktion. Fast 900 Menschen arbeiteten vor dem Zweiten Weltkrieg in zwölf verschiedenen Schuhfabriken, darunter auch der junge Eugène Heschung, der sich zu Beginn seiner Laufbahn im Jahr 1920 zunächst als Zuschneidearbeiter verdingte. Inspiriert von der üppigen Natur seiner Heimat, den reich bewaldeten Hügeln und bizarren Sandsteinfelsen der Nordvogesen und den daraus entstehenden (Schuh-)Bedürfnissen der Menschen um ihn herum, gründete er 1934 sein eigenes Unternehmen. In zwiegenähter Machart hergestellte Stiefel und Schuhe für Wanderer und Jäger waren seine ersten Produkte – wasserdicht und widerstandsfähig.

Heschung Blucher Herren

Zweifach genäht. Oder auch: Norwegian welt.

Heschung

Während der deutsche Begriff „zwiegenäht“ eindeutig herstellungsbezogen ist, weist das englische Pendant „Norwegian welt“ auf die Herkunft der Machart – das heißt: der Art der Verbindung von Schaft und Sohle – hin. Manch einer schreibt die Erfindung dieser Variante klassischer Rahmennähung gar den Inuit zu. Das Interesse der auf arktischem Gebiet lebenden indigenen Völker an wasserdichtem Schuhwerk dürfte, so steht zu vermuten, zumindest äußerst groß gewesen sein.

 

Der Rahmen, ein schmaler umlaufender Lederstreifen, wird bei dieser Methode von außen auf den Schaft aufgelegt, in einem ersten Schritt mit dem Schuhkörper und der Innensohle und in einem zweiten mit der Laufsohle vernäht. Das bei Heschung verwendete 12-fädige Naturleinengarn wird dazu wahlweise in Pech getränkt oder mit Bienenwachs abgerieben, was die von der Nadel verursachten Einstechlöcher direkt wieder verschließt. Zwei Nähte sind zwar auch für die herkömmliche Rahmenvernähung konstitutiv, aber nur bei der zwiegenähten Variante bleiben sie von außen sichtbar.

Von Ski zu schick. Wie Heschung den Sprung zum exklusiven Schuhhersteller meisterte.

Manchmal ist ein Umweg die geradlinigste Strecke. Geplant war es jedenfalls nicht, dass sich die Firma Heschung in den 1950er Jahren als französischer Schuhhersteller Nummer eins für das gerade zum Breitensport avancierende Skifahren etablierte. Dabei war der Schritt ein natürlicher: Man produzierte Schuhe, die den Witterungen trotzten, und genau das war es, was der Skisport brauchte. 1968 und 1972 brachte Heschung es gar zum offiziellen Ausrüster der französischen Ski-Nationalmannschaft und gewann – zwar indirekt, aber nichtsdestoweniger – insgesamt siebzehn olympische Wintersport-Medaillen. Und dann, genauso schnell wie die Nachfrage entstanden war, war sie auch wieder verschwunden, denn die Ära des Leder-Skischuhs kam zu einem Ende und machte den Weg für aus Kunststoff gefertigte Modelle frei. Nur der hohe Herrenschuh von Heschung mit seinem regulierenden Knöchelriemen zeugt heute noch (oder besser wieder) von dieser spannenden Unternehmensepoche. Allerdings besser jenseits der Pisten.

Abseits dieses offensichtlich robusten Modells bewegen sich die Heschung-Schuhe im Manufactum Sortiment dieser Tage gekonnt zwischen leger-sportlich und elegant. 1994 vom Enkel des Gründers neu aufgelegt, wendet sich die Marke heute an den anspruchsvollen Käufer guter Schuhe, der handwerkliche Qualität, zeitloses Auftreten sowie langlebige Materialien und Verarbeitung zu schätzen weiß. Bergschuh und Blucher sind zwar eindeutig zwei Paar Schuhe, ihre Eigenschaften weiß die Firma aber gekonnt zu verbinden. Und so trat der neue Heschung in die Fußstapfen seines Vorfahren und fand trotzdem seine ganz eigene Linie – Konsequenz auf Umwegen.