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Wenn der Vater mit dem Sohne. Die Kreis-Lederwaren.

Die Kreis Ledermanufaktur in Offenbach steht für ­Gürtel, Taschen und Lederwaren höchster Qualität. ­Zugleich ist sie beispielhaft für die generationenübergreifende Weitergabe handwerklichen Fachwissens.

Offenbach und Leder – das war einst ein Gleichklang. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in der Region rund 200 lederverarbeitende Betriebe, übrig ist davon fast keiner mehr. Einer, der es geschafft hat, ist die Kreis Ledermanufaktur. Sie steht seit 1963 für handwerklich hergestellte Lederwaren höchster Qualität. Gründer Erich Kreis hatte sich in jenen goldenen Zeiten des deutschen Lederhandwerks selbstständig gemacht, von den ehemaligen Kollegen mit ihren vermeintlich sicheren Arbeitsplätzen in der Lederindustrie gelinde belächelt. Als sich in den Jahren darauf mehr und mehr Betriebe auf einen ruinösen Preiskampf einließen und diesen verloren, ging Kreis den umgekehrten Weg: Die Qualität zu vermindern, um den Preis senken zu können, war für ihn nicht hinnehmbar.

Manufactum Journal Kreis LederwarenManufactum Journal Kreis Lederwaren
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Seine Maxime war es vielmehr, die ­beste Qualität zu produzieren, selbst wenn sie ihren Preis hat. Diesem Leitsatz folgt die Ledermanufaktur bis heute, mit Erfolg. Erst recht, seit Kreis’ Sohn Bernd, der heutige Inhaber, in den Betrieb einstieg. Freunde sagten damals zu ihm: „Sag mal, spinnst Du? Du siehst doch, was hier gerade mit der Lederregion passiert.“ Seine Antwort: „Wir sind nur zu zweit, wir werden es wohl irgendwie schaffen.“ Gemeinsam mit seinem Vater baute er den Betrieb in der Folge behutsam aus. Erich Kreis ist immer noch fast täglich dabei, hilft gern mit und unterstützt, wo er kann. „Wenn man so was angefangen hat, dann kommt man davon nicht mehr los“, sagt der 83-Jährige. Und Arbeit gibt es für die mittlerweile 15 Mitarbeiter genug, denn was einst mit Gürteln begonnen hat, wurde längst auf Taschen und Kleinlederwaren erweitert.

Einzigartig. Vom dreilagigen Gürtel.
Ein Musterbeispiel für den Kreisschen Qualitäts­anspruch sind die dreilagigen Gürtel. Bei dieser für einen Gürtel aufwendigsten und materialopulentesten Machart müssen die Lederzuschnitte des Obermaterials gut ein Drittel breiter als sonst zugeschnitten und die Lederkanten dünn ausgeschärft werden, damit das Umbugen (Einschlagen) um den Gürtelkern möglich wird. Sodann der Kern: Als Erich Kreis 1963 mit den dreilagigen Gürteln anfing, verwendete er dafür noch Faservlies. „Das ist eine sehr solide Verarbeitung, von der wir wissen, dass das Material auch über Jahrzehnte nicht versprödet“, erläutert Bernd Kreis. „Mir war es trotzdem ein Dorn im Auge. Als so kleine Manufaktur wollen wir nur über das Beste reden.“ Heute verwendet Kreis auch für den Kern grubengegerbtes Leder. Ein Vollleder wohlgemerkt, auch wenn er dort ein Spaltleder verstecken könnte, weil es der Kunde niemals sehen wird – aber das will er einfach nicht. Schließlich wird noch das Futterleder aufgesetzt. Es kommt aus der Gerberei Kobel in Kellinghusen und ist von einer Qualität, die andernorts häufig nicht einmal vom Gürteloberma­terial erreicht wird.
„Wenn wir solche Leder für einen Gürtel verwenden, dann kann ich ganz selbstbewusst sagen: Der Materialanteil liegt bei 60 bis 65 Prozent, in manchen Bereichen auch höher“, sagt Kreis. Zum Vergleich: Ein einfaches Spaltleder ist für acht bis zehn Euro pro Quadratmeter zu kaufen, ein grubengegerbtes Reitsportleder, wie Kreis es verwendet, kostet 140 Euro. „Deshalb haben unsere Gürtel auch ihren Preis – nicht, weil der Lohnanteil in Deutschland so hoch ist, sondern durch die Qualität der Grundmaterialien.“ Und was für die eleganten, dreilagigen Gürtel gilt, stimmt selbstredend auch für die sportiven Modelle: „Bei den zweilagigen Gürteln nehmen wir ebendiese Reitsportleder, bringen sie auf eine Grundstärke und schrägen die Kanten ab, sodass es im Verbund eine schöne Bombierung gibt, die dem Gürtel Ausdruck verleiht. Wir arbeiten also immer aus dem Vollen.“

Aus Trotz. Aktentaschen nach Maß.
Weil er sich immer wieder über die Geringschätzung der Gürtelmacherkunst geärgert hatte, beschloss Bernd Kreis vor knapp 15 Jahren, auch Aktentaschen zu produzieren – in erster Linie, um die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter zu demonstrieren. Individuelle Aktentaschen nach Maß, bei denen die Kunden neben Leder, Farbe und Schlössern auch die Innenausstattung frei wählen können. Aktentaschen, bei denen auch die Innenflächen komplett aus Leder gearbeitet sind – weder Pappe noch Kunststoff oder Schaumstoff findet man darin. Als Kreis’ Frau von den Plänen hörte, sagte sie nur: „Glaubst Du, dass Du jemals so eine Aktentasche verkaufst?“ Eine berechtigte Frage, denn je nach Leder und Ausstattung liegt der Preis für solch ein maßgeschneidertes Paradestück zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Bernd Kreis war es egal, er hat es einfach gemacht. Mit Erfolg: Derzeit werden jährlich zwischen 250 und 300 Aktentaschen ausgeliefert.

Vom Pferd erzählt. Kleinlederwaren.
Zuletzt kamen die Kleinlederwaren hinzu, mit deren Fertigung mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt sind. „Wir versuchen bei allen Produkten, egal was es ist, Qualität reinzubringen, auch in versteckte Bereiche, in die der Kunde nicht schaut“, sagt Bernd Kreis und nimmt eine Geldbörse zur Hand. Wären die Zwischenwände der Kartenfächer aus dem Oberleder gearbeitet, würde die Börse zu dick. Deshalb werden sie mit einer Blende aus dem Oberleder und einem Anhang gefertigt. „Ich kenne keinen Hersteller, der dafür nicht billiges Synthetikgewebe verwendet“, sagt Bernd Kreis. „Wir nehmen hauchdünnes Känguruleder, weil es a) sich besser anfasst, b) die Karten ein bisschen besser hält und c) die Qua­lität und Haltbarkeit einfach viel höher sind.“ Dann verweist er auf die Kanten: „Wir verarbeiten sie bewusst offen. Das hat einen viel solideren, kernigeren Look.“ Damit dieser auch entsprechend hochwertig ist, bedarf es zusätzlicher Arbeitsschritte: „Wir ­machen es so wie ein Sattler vor hundert Jahren. Die Kanten werden in mehreren Durchgängen geschliffen und gebeizt, wieder geschliffen und wieder gebeizt und zum Schluss mit Wachs poliert. Dann haben sie einen schönen Glanz, eine schöne Tiefe und eine schöne Transparenz. Und sie sind natürlich auch viel widerstandsfähiger.“

Das Oberleder der Börse ist Shell Cordovan, das berühmte Pferdeleder der Gerberei Horween® in Chicago. Es kann nur aus zwei kleinen ovalen Partien an den Hinterbacken der Pferde gewonnen werden und hat einen entsprechenden Preis: Ein Shell kostet im Einkauf rund 300 Euro. Dafür ist es das einzige Leder, das zwei schöne, glatte Lederseiten hat und deshalb ungefüttert verarbeitet werden kann (und sollte). Die Fleischseite ist außen, die Fellseite innen – der Stempelabdruck der Gerberei ist auf ihr, quasi als Herkunftsnachweis, noch sichtbar. Doch die Optik ist nur ein Aspekt. „Durch die ungefütterte Verarbeitung können wir auf bestimmte Nähte verzichten, was vor allem auch ein Beitrag zur Haltbarkeit ist“, erläutert Kreis. Kein Wunder, dass bei solch einem Portemonnaie der Lohnanteil höher ist als bei einem Gürtel. Schließlich wollen die vielen Kleinteile mit der gebotenen Sorgfalt verarbeitet werden.

Der Weg durch die Werkstatt.
Jedes Produkt von Kreis nimmt seinen Anfang im ­Lederlager. Dicht an dicht liegen dort Horween®-Pferdeleder aus Chicago, Reitsportleder aus England und Deutschland, Kalbleder aus Deutschland und Italien sowie Veloursleder aus Italien. Je nach Produkt geht es dann an die Verarbeitung – in der klas­sischen Arbeit einer Manufaktur, wie sie der Duden definiert: als Betrieb, „in dem Waren serienweise mit starker Spezialisierung und Arbeitsteilung, aber doch im Wesentlichen in Handarbeit hergestellt werden“. So sind auch bei Kreis neben der reinen Handarbeit einige betagte, handgeführte Maschinen im Einsatz. Etwa die beiden Spaltmaschinen, an denen über ein umlaufendes Bandmesser das Leder auf die gewünschte Stärke zugeschnitten wird. Zwei kleine Maschinen laufen derzeit. In Kürze kommt noch eine größere hinzu. Sie stammt von einem befreundeten Kollegen, der den Betrieb eingestellt hat, und kann auch größere Formate spalten, etwa für Taschen. ­Sodann die Schärfmaschine, an der mit einem Glockenmesser – das eine sehr saubere Oberfläche erzeugt – die Lederkanten bearbeitet und verschiedene Schnitte ausgeführt werden. An den Stanzen werden Gürtelenden zu- und Einzelteile der Kleinlederwaren ausgeschnitten. In der Näherei ist jede der Nähmaschinen auf eine andere Nähsituation eingerichtet; vorneweg eine alte Sattlermaschine, ein hochbetagtes Gerät, das für grobe Sattlernähte zuständig ist. An den anderen Maschinen werden die Gürtel und die Kleinlederwaren genäht. Insgesamt ist die Zahl der Maschinen jedoch übersichtlich. Sie sind sämtlich älteren Datums, kommen zumeist aus anderen Betrieben, die aufgegeben haben, und auch bei ihrer Wartung wird es immer schwieriger, die geeigneten Leute zu finden. Früher gab es Stanzmesserbauer, spezialisierte Mechaniker und dergleichen in der ­Region. Wenn heute ein Problem auftaucht, ist Kreis mehr und mehr auf sich selbst gestellt.
Auch etliche der Mitarbeiter kommen aus Betrieben, die aufgegeben haben. Die meisten von ihnen sind mittlerweile langjährig Beschäftigte bei Kreis, der auf wenig Fluktuation und viel Fachkompetenz setzt. Noch nicht ganz so lange dabei ist die junge Mitarbeiterin in der Feintäschnerei. Kreis hat sie von einem befreundeten Betrieb übernommen, der sich verkleinern musste und mittlerweile geschlossen ist. „Früher war mir das Alter der Mitarbeiter egal, heute achte ich schon darauf, junge Leute einzustellen, damit nicht irgendwann alle in Rente gehen und keiner mehr da ist, der es noch kann“, erläutert Bernd Kreis. Und wie sieht es mit der dritten Generation der Familie aus? „Ich bin froh, dass mich meine Eltern damals nicht in den Betrieb gedrängt haben, und ich dränge meine Kinder auch nicht“, sagt Bernd Kreis. Tochter Sophie hilft aber in der Phase zwischen ­Abitur und Studium bereits in der Manufaktur aus.

Text: Markus Althaus, Fotos: Erik Hinz

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