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Gewürze als Kulturbotschafter

Manufactum Journal Conflict Food GewürzeManufactum Journal Conflict Food Gewürze
Hätte Kolumbus schon über Satellitennaviga­tion und elektronische Seekarte verfügt, dann hätte er wohl nicht versehentlich Amerika entdeckt. Während diese Hypothese heute vielleicht ein wenig überrascht (was entgeht einem alles, wenn man sich nicht mehr verfahren kann), ist es nicht weniger interessant, über die Motivation nachzudenken, die Kolumbus in seine Seeabenteuer trieb. Es waren unter anderem Gewürze. Was heute in jedem Supermarkt en masse zu haben ist, war seinerzeit kostbar wie Gold und Perlen. Das ist uns nicht neu, und doch denken wir darüber sehr selten nach. Nicht, wenn im Winter Tausende Tonnen des weißen Goldes – Salz – auf unsere Straßen gestreut werden, nicht, wenn wir am Herd stehen und unserem gerade gekochten Gericht mit exotischen Gewürzen den letzten Pfiff geben. Dabei haben Gewürze so viel zu erzählen. Sie können uns anregen, über die Kulturen und über die Menschen, von denen sie kommen, mehr zu erfahren.

Zu diesen Gedanken kam ich, als mir vor einigen Monaten in Berlin die beiden Jungunternehmer Gernot Würtenberger und Salem El-Mogaddedi ihr Start-up vorstellten: Conflictfood. Zugegeben, der Name irritiert. Aber er ist Programm. Sie spüren beste landwirtschaftliche Produkte in Krisenregionen auf und bringen sie auf den deutschen Markt. So zeigten sie mir ein außergewöhnliches Bild: Ein Soldat, dem das Gewehr an der Seite baumelt, pflückt ein paar Sa­franfäden. Diese Szene spielt in Afghanistan. Erschütternd fand ich nicht nur das Bild, sondern auch ernüchternd, was die beiden mir dazu sagten. Afghanistan habe eigentlich nur ein landwirtschaftliches Produkt für den „Export“, nämlich Opium. Dabei gebe es im Westen des Landes feinsten Safran, den sie von einem Frauenkollektiv vor Ort ernten und verarbeiten lassen. Aus dem Erlös unterstützt Conflictfood jeweils Bildungseinrichtungen vor Ort. Das Ganze kommt in einer wunderschönen Schachtel daher, die zudem einige Rezepte und Informationen über das Projekt enthält. Sicher, ein Tropfen auf den heißen Stein, dachte ich. Aber dann wurde mir bewusst, wie viel mir gerade nicht bewusst war über die Herkunftsländer unserer Gewürze. Und zudem schafft Conflictfood auch einen hoffnungsvollen Kontrast, wenn man in die Geschichte zurückblickt, als Gewürze ein entscheidender Motor der Kolonialisierung waren und keineswegs dazu dienten, wenn auch noch so bescheidene Sozialprojekte zu fördern. Eine andere Geschichte erzählen wollen Würtenberger und El-Mogaddedi, eine Alternative aufzeigen zum Klischee: Was kann aus Afghanistan schon Gutes kommen?

Man lernt nie aus, und wenn man noch so lange sein Metier betreibt. So haben mich die beiden freundlichen Idealisten von Conflictfood über ihr Projekt hinaus darauf aufmerksam gemacht, dass man Gewürze auch mal anders als nur in ihrer kulinarischen Funktion betrachten kann. Nämlich mit Blick auf ihren kommunikativen Wert. Schon früher sind fremde Kulturen auf sinnfällige Weise, über Farbe, Aroma und Geschmack zu uns gelangt und haben damit eine Brücke gebaut zu ihren Herkunftsländern. Heute, da wir im Netz alles über jede Weltgegend erfahren können, ist das eine gute Gelegenheit, ein Gewürz zur Hand zu nehmen und ein wenig nachzuforschen. Wenn ich in unser Sortiment schaue, dann ist da der Periyar-Urwaldpfeffer unangefochten an der Spitze der Beliebtheit. Und das zu Recht, weil er ein unvergleichliches Aroma hat. Vor Jahren musste ich schmunzeln, weil ein Kunde darauf hinwies, er sei zu scharf. Aber wie kommt es dazu? Nun, weil die Ureinwohner im indischen Tiger-Nationalpark Lake Periyar nach wie vor die autochthonen, uralten Sorten kultivieren, die zwar wenig Menge, dafür aber Spitzenqualität liefern. Es sind gleichsam winzige Pflan­zungen mitten im Urwald, keine Monokulturen, sondern die wahren Schätze der Pfefferbauern. Und die sorgen mit ihrer traditionellen Lebensweise für un­seren Genuss.

Bleiben wir in der Nähe und schauen wir nach Europa, dann gibt es auch dort Erstaunliches gerade bei den Gewürzen. Ein Beispiel dafür ist eine Gemeinschaft von Paprikabauern in einem einzigen Dorf der Vojvodina, die erkannt haben, dass sie in einem der besten Paprikaanbaugebiete der Welt leben. Auch sie kultivieren die Sorten, die an Ort und Stelle seit Jahrhunderten wachsen, trocknen die Schoten an der Luft und vermahlen sie auf ihren altertümlichen Steinmühlen. Wer diesen Paprika einmal gekostet hat, der will keinen anderen mehr. Das Zusammenspiel von Boden, Pflanzen, werterhaltender Technik und Menschen ist einmal mehr ausschlaggebend.

Worüber ich ehrlicherweise auch noch nie wirklich nachgedacht hatte, ist die Herkunft der Wacholderbeeren. Wie erstaunt war ich, als mir Alexander Monreal, dessen Familie seit 209 Jahren mit Wacholder handelt, erzählte, dass die Beeren gleichsam unterwegs gesammelt werden. Hirten in Italien oder auf dem Balkan nutzen ihre Mußestunden und ernten nebenbei den Wacholder. Daneben gibt es Profisammler, die die verschiedensten Pflanzen kennen und letztlich auch hüten. Sie wissen genau, wo die besten Bestände sind, und können zudem verlässlich von den Klimaveränderungen über die Jahre berichten. Denn sie sind ja mittendrin. Es wäre wohl spannend, mit solch einem Sammler ins Gespräch zu kommen. Oder mit den afghanischen Frauen, mit den indischen oder serbischen Bauern ... Doch auch so können wir uns ihnen verbunden fühlen, bei jedem gut gewürzten Gericht. Es erzählt uns einiges über die Welt, in der wir leben.

Text: Martin Erdmann

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