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Abtei Pannonhalma

Betrachtet man die kulturellen Initiativen der Menschheit und insbesondere die Kulturlandschaft, dann gehören Weinberge und -güter wohl zu den dauerhaftesten Einrichtungen, die wir vorfinden können. Das ist auch in Pannonhalma so, wo sich bereits im Jahr 996 Benediktinermönche ansiedelten und eine urkundliche Erwähnung aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf „drei Weinberge und sechs Winzer“ („tres vineas & vi. homines vinnitores“) hinweist. Wir könnten diese Angaben fast ohne Änderung zum heutigen Zeitpunkt übernehmen, denn an Ort und Stelle gibt es nach wie vor die drei Weinberge („Széldomb, Babszökö, Tavaszó“), allerdings nur noch einen Winzer: Zsolt Liptai.

Hier, im westungarischen Pannonien, hat der Weinbau seine Grundlegung jedoch bereits von den Römern erhalten. Eine der größten Gestalten des spätantiken Christentums stammt von hier: der heilige Martin, der später als Bischof in Frankreich wirkte. Doch nur aus der Geschichte heraus zu leben, das wäre für ein Weingut zu wenig. So schauen wir auf das, was in den letzten zwölf Jahren in Pannonhalma geschaffen wurde. Kurz gesagt waren wir gezwungen, einen vollkommenen Neuanfang zu wagen, denn gerade die jüngste Geschichte, also die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, war unserem Weingut nicht sehr zuträglich. Weinberge und -gärten benötigen ja intensivste Pflege; man kann sich nicht darauf zurückziehen, uralte Reben sein Eigen zu nennen, die gleichsam von selbst einen guten Wein hervorbringen.

Doch zunächst mußten wir die Flächen überhaupt erst einmal wieder erwerben. Insgesamt 50 Hektar früheren Klosterbesitzes galt es zurückzukaufen, und damit verfügen wir heute über ein Zehntel des Anbaugebietes Pannonhalma, das zu den kleinsten der insgesamt 22 ungarischen Weinanbaugebiete gehört. Von den vorhandenen Reben konnten wir nichts mehr nutzen, und so stand am Anfang unserer neuesten Geschichte die Rodung aller Flächen, ein Neubestockungsprogramm, das auf 10 Jahre angelegt war. Entsprechend dem sehr gemäßigten Klima Pannonhalmas entschieden wir uns dazu, zwei Drittel der Weingärten mit weißen Rebsorten zu bepflanzen, darunter vor allem Rheinriesling, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Welschriesling, Chardonnay und Weißburgunder, den Rest mit roten, insbesondere Spätburgunder, Merlot und Cabernet Franc.

Der Rebbau erfolgt hauptsächlich auf über Löß und Sand entstandenem braunem Waldboden, wobei der Boden in jeder Schicht aller Weinberge alkalisch, also von hohem Kalkgehalt ist. Boden- und Klimaverhältnissen Rechnung zu tragen und zugleich ein zukunfstfähiges Sortiment von Weinen zu etablieren, das gehört zur Herausforderung einer solchen Neubestockung, denn sie muß ja die Chancen und Risiken mehrerer Jahrzehnte in Betracht ziehen. Wer unsere Weine in den letzten Jahren kontinuierlich verfolgt hat, der konnte den jährlichen Zuwachs an Aromatik, Dichte und Ausdruckskraft auch unabhängig vom Jahrgang erkennen. Das Hinabtreiben der Wurzeln bis in über zehn Meter Tiefe, eine der beachtlichsten Eigenschaften des Weins, braucht seine Zeit. Und diese Tiefenbohrung, dieses Etablieren und Sich-Festsetzen im Terroir, ist ein höchst spannender, aber auch Geduld erfordernder Prozeß.

Die andere Seite ist der Keller. Auch der mußte völlig neu errichtet werden, und was schon bei den Reben gilt, ist beim Keller erst recht von höchster Bedeutung, nämlich ihn ganz neu zu denken und alle örtlichen Gegebenheiten mit einzubeziehen.

Dabei kam uns die Hanglage des Geländes zur Hilfe, die der bekannte Önologe Tibor Gál genial auszunutzen verstand. So konnten wir den Keller in den Hang hineinbauen, was zur Folge hat, daß die Anlieferung der Trauben von oben erfolgt und der Weitertransport des Mostes allein durch Schwerkraft und ohne mechanische Pumpen erfolgen kann.

Die Vergärung kann bei uns sehr differenziert erfolgen, nämlich im Edelstahltank, aber auch im offenen Holzbottich. Und letztere Methode hat überhaupt keine nostalgische Motivation, sondern gehört zu den vielen Besonderheiten, mit denen wir im Keller auf unser Traubengut reagieren und so den ganzen Erfahrungsschatz des Neuanfangs ausnutzen können. Sortencharakteristische Weine lassen sich so erzeugen, aber auch komplexe Cuvées, denen unsere besondere Aufmerksamkeit gilt.

Tamás Illés, Abteikellerei Pannonhalma

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