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Windsor-Möbel von Ercol

Die neue, alte Einfachheit.

„We are great simplifiers in this country“, stellte Lucian Ercolani einmal fest, als er nach den typischen Merkmalen britischen Möbelbaus gefragt wurde. Das ist gewiß richtig – aber eben nur die halbe Wahrheit. Auch im britischen Möbelbau gab es über die Zeiten hinweg zwei gegensätzliche, sich geradezu im Pendelschlag abwechselnde Pole: Stile, die sich durch demonstrative Opulenz auszeichnen und solche, die in Konstruktion und Gestaltung eher sparsame Zurückhaltung beweisen. Für letztere steht der Windsor-Stil, der schon im 18. Jahrhundert populär war.

Ercol Butterfly Chair

Windsor-Möbel sind Leichtgewichte und weniger auf Repräsentanz als auf Funktion hin gestaltet. Das Augenfälligste an ihnen ist, daß sie gewissermaßen um die eigentliche Funktionsfläche herum konstruiert sind: Die klassischerweise leicht gespreizten Stuhlbeine und die Rückenlehne sind – zumeist in Gestalt gedrechselter Holzsprossen – an der Sitzfläche befestigt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie von Möbelbauern wie Lucian Ercolani in die Gegenwart „übersetzt“ und zum dominierenden britischen Möbelstil dieser Zeit. Heute sind wir erneut zwei Pendelschläge weiter. Nachdem man sich auf der Insel in den Siebzigern gerne von den nunmehr als Nachkriegsästhetik empfundenen Stühlen, Tischen und Bänken getrennt hatte, um sie durch üppig gepolsterte Sitzlandschaften zu ersetzen, wächst neuerlich die Nachfrage nach den stabilen und handwerklich wie gestalterisch durchdachten Windsor-Möbeln à la Ercolani.

Es gibt sie noch, denn die Möbelfabrik Lucian Ercolanis – 1920 als Furniture Industries Limited gegründet und seit 1958 als Ercol firmierend – besteht bis heute. Und seit einigen Jahren hebt sie den Schatz, den ihr der Gründervater hinterlassen hat: Unter der Bezeichnung „Ercol Originals“ entstehen Re-Editionen von Originalentwürfen Lucian Ercolanis.

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Ercol 401 (1958) – der Schmetterling.

Die historischen Kataloge und das Archiv Ercols verzeichnen diesen Stuhl mit dampfgebogener Sitzfläche und Rückenlehne aus Ulmensperrholz und Buchengestell aus dem Jahr 1958 unter der spröden Bezeichnung „401 Preformed Chair“. Den überaus zutreffenden Namen „Butterfly Chair“ trägt er seit seiner ersten Re-Edition im Jahre 2002, als Ercol ihn wieder auflegte.

 Ercol Butterfly Chair

Daß er dabei nicht etwa als historische Reminiszenz, sondern als Möbelstück von noch immer gültiger hochmoderner Gestaltung wahrgenommen wird, bezeugt vielleicht auch seine Omnipräsenz als Standausstattung auf Messen in Großbritannien – also an Orten, an denen das Erscheinungsbild des Messestandes die „Zeitgenossenschaft“ der präsentierten Ware demonstrieren soll.

Wir bieten ihn in einer Edition mit schwarz lackiertem Buchengestell, die optisch die Funktions- und Konstruktionselemente farblich getrennt hervorhebt. Die Sitzfläche ist an den Ansatzstellen der Stuhlbeine und der Lehne mit markanten Punkten versehen.

Sie entstehen durch die bei Ercol übliche Art der Befestigung: Die durchgehenden Verbindungen sind nicht nur geleimt, sondern darüber hinaus mit einem kleinen Keil fixiert, der die Konstruktion deutlich stabiler macht. Sandgestrahlt und geschliffen, ergibt sich daraus seit 1953 ein Ercol- typisches Gestaltungsmerkmal.

Entwurf Lucian Ercolani, 1958. Sitzfläche und Rückenlehne Ulmensperrholz. Gestell Buchenholz, schwarz lackiert. Höhe 76 cm, Breite 48 cm, Tiefe 44,5 cm. Sitzhöhe 41,5 cm, Sitzfläche 43 x 30 cm. Gewicht 3,5 kg.

595,00 

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Ercol Sitzbank Ulme und Buche
Ercol Sitzbank Ulme und Buche

Ercol 450 (1960) – Love Seat. Die Sitzbank.

Als die erste Fassung dieses Zweisitzers 1956 auf den Markt kam, sagte man bei Ercol zu Recht voraus, daß diese Sitzbank einmal als „Ikone“ des hauseigenen Windsor-Stils gelten würde. Der „Love Seat“ ist im Grunde die Verlängerung eines Einzelstuhls aus demselben Jahr.

Die Sitzfläche aus Ulmenholz ist 1,12 m breit und hat statt einer zwei gefräste Sitzmulden. Die leicht gebogene Rückenlehne aus Buchenholz bestand beim Urmodell aus 13 Sprossen, bei dieser Variante aus dem Jahr 1960 aus nicht weniger als 19 Sprossen. Ercolani entwarf den Zweisitzer ganz bewußt als Multifunktionsmöbel und sah ihn nicht nur als Küchen- und Eßzimmermöbel, sondern auch als „occasional settee“ in anderen Wohnbereichen. Die Beine der Sitzbank sind wie beim Butterfly-Stuhl in der „Wedge-Joint“-Technik verkeilt, wie vier sichtbare Kreise auf der Sitzfläche bezeugen.

Entwurf Lucian Ercolani, 1960. Sitzfläche massives Ulmenholz (Materialstärke max. 32,5 mm) mit 2 Sitzmulden. Gestell und Rückenlehne Buchenholz klarlackiert. Höhe 78 cm, Breite 1,18 m, Tiefe 53 cm. Sitzhöhe 42 cm, Sitzfläche 112 x 39,5 cm. Gewicht 10,7 kg.

985,00 

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Ercol 382 (1955) – Plank Table. Der Eßtisch.

Viel einfacher geht es wohl kaum. Und auch nicht viel eleganter: Dieser Tisch des „great simplifier“ Lucian Ercolani aus dem Jahre 1955 hat eine abgerundete Tischplatte aus massivem, feingemasertem und klarlackiertem Ulmenholz. Die Tischbeine aus Buchenholz sind in diesem Falle nicht fest verkeilt. Sie werden mitsamt montierter Traverse mitgeliefert und am Aufstellungsort befestigt. Das notwendige Werkzeug und passende Schrauben liegen bei.

Ercol Eßtisch Ulme und Buche

Entwurf Lucian Ercolani, 1955. Tischplatte aus massiven, durchgehenden Ulmenholzlamellen klarlackiert, Materialstärke 19 mm. Tischbeine Buchenholz klarlackiert. Schrauben Stahl galvanisiert. Höhe 72,5 cm, Breite 1,53 m, Tiefe 75,5 cm. Gewicht 19,4 kg.

1.265,00 

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„The Old Man“. Lucian Ercolani.

Ercol gilt vielen Briten als der Hersteller von Windsor-Möbeln schlechthin. Lucian Ercolani hatte nach seinem Studium am Shoreditch Technical Institute im East End von London bereits in jungen Jahren Möbelgestaltung gelehrt und hohe Positionen bei den wichtigsten Herstellern des britischen Möbelzentrums High Wycombe innegehabt, als er als 32jähriger ebendort seine eigene Produktionsstätte gründete, um unternehmerisch und gestalterisch freie Hand zu haben. Gerade letzteres aber – die gestalterische Freiheit – sah er durchaus in Grenzen. Sein Ehrgeiz war es eben nicht, in grundstürzender Modernität „den Stuhl“ neu zu erfinden. Ercolani sah Gestaltung als evolutionären Prozess. Es ging ihm darum, das Werk der Vorväter Modell für Modell weiter zu entwickeln und zu verbessern.

Lucian Ercolani

Lucian Ercolani bei der Besprechung eines Möbelentwurfs (1950er Jahre)

Dies galt insbesondere für sein Windsor-Sortiment. Überlieferte, auf genauester Kenntnis historischer Stuhlmodelle basierende Entwurfsskizzen verdeutlichen, wie Ercolani die Idee des Windsor-Möbels konsequent Schritt für Schritt perfektionierte. „The Old Man“, wie er von seinen Mitarbeitern respektvoll genannt wurde, nutzte dabei einen modernen Maschinenpark, um neue Formen umsetzen zu können und um seine Möbel für den britischen Durchschnittshaushalt erschwinglich zu halten. Er zählte voll und ganz auf den Erfindungsgeist der Firmeningenieure: „The Old Man’s motto was, if there was no machine for the task, they would invent one“, wird von ihm berichtet. Das Zusammenspiel von präziser Handwerksarbeit und modernster Technik brachte den Erfolg. Ercol- Möbel waren in zahlreichen britischen Haushalte zu finden, und das über viele Jahre gepflegte Markenzeichen – der „Ercolion“, ein Löwe in Schreinerkleidung – besaß einen enorm hohen Bekanntheitsgrad.

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The English Tree – die Ulme.

Die 1950er und 1960er Jahre wurden für Ercol zu einer Glanzzeit. Es entstanden Hunderte von Windsor-Modellen, von denen etliche heute als Klassiker der Möbelgestaltung des 20. Jahrhunderts gelten. Als „The Old Man“ 1978 starb, hinterließ er seinen Söhnen Lucian und Barry ein gesundes Unternehmen, das gleichwohl schweren Zeiten entgegenging. Das lag nicht nur daran, daß der zurückhaltend-nüchterne Windsor-Stil zunehmend als „Nachkriegsstil“ wahrgenommen wurde. Ein zweites, nicht zu unterschätzendes Problem ergab sich aus ganz und gar unmodischen Gründen: Ercol fertigte insbesondere die Flächenteile seiner Windsor-Möbel aus Ulmenholz, dem Holz des „English Tree“, wie Ercolani ihn einmal bezeichnete, weil die Ulme in Großbritannien sehr verbreitet war. Doch große Bestände der Ulmenpopulation fiel seit den Mittsiebzigern der „Dutch Elm Disease“ zum Opfer, einer Baumerkrankung, die auch in Kontinentaleuropa und Nordamerika wütete. Ulmenholz wurde zur Mangelware. Ercol war darauf angewiesen, eine Versorgung aus amerikanischen Beständen aufzubauen. Und zugleich sah man sich in High Wycombe immer mehr der Konkurrenz von billigen Fertigmöbeln aus China und Osteuropa ausgesetzt.

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Ercol heute.

Ercol meisterte diese Zeit, indem es den alten Tugenden des Unternehmens vertraute: präzises Handwerk bei gleichzeitigem Einsatz hochmoderner Maschinen. Darüber hinaus pflegt Ercol bis heute eine zurückhaltende Modellpolitik. Einige Entwürfe sind seit Jahrzehnten im Programm und wurden im Laufe der Zeit nur geringfügig verändert. Und bei den von zeitgenössischen Möbelgestaltern entworfenen Novitäten der jüngeren Vergangenheit ist es offensichtlich, daß sie bei allem individuellen Ausdruckswillen stilistisch den vom Gründer formulierten gestalterischen Ideen verpflichtet bleiben. Eine Neuedition seiner besten Entwürfe ist auch in dieser Hinsicht konsequent. Ein Familienunternehmen ist Ercol bis heute: Seit 1993 führt Edward Tadros, ein Enkel Lucian Ercolanis, die Geschäfte.