Rund 125 Brennereien produzierten in Schottland Anfang der 1980er Jahre Malt Whisky, heute sind es nur noch etwa 90. Die anderen sind im besten Fall nur stillgelegt, könnten also wieder Whisky machen, im schlechtesten – und häufigsten – Fall dagegen nur noch als bauliche Hülle erhalten oder sogar ganz abgerissen, also für immer verloren. Malt Whisky boomt doch? Woher der Schwund? Der Grund ist leicht zu finden, wenn man verstanden hat, welche Rolle dieser Malt für die schottische Whiskyindustrie spielt.
Für uns ist er der älteste, der authentische, der beste Whisky, mit seinem Aromenreichtum und der Fülle von Varianten, in denen er uns begegnet. Für die Industrie allerdings ist er eben nicht Selbst-, sondern nur Mittel zum Zweck. Der besteht nach wie vor darin, möglichst viel von der kommerziell wichtigsten schottischen Whiskyspielart zu verkaufen, von den Blends, die so heißen, weil sie ein Verschnitt, eine Mischung, von preisgünstig und in großen Mengen herstellbaren Getreidewhisky mit dem guten, alten Malt sind, der aus teurem Gerstenmalz ist und, relativ altmodisch, nur in vergleichsweise kleinen Mengen gemacht werden kann.
Alles ist nur eine Frage der Priorität. Natürlich können Blends nicht ohne Malt Whisky hergestellt werden – und es wäre auch völlig falsch, diese Blends für zweitklassig zu halten. Sie können großartig sein, und man darf auch feststellen, daß es schwerer ist, einen großen Blend zu machen als einen guten Malt. Aber richtig ist eben auch, daß eine Brennerei meist nur dann eine Existenzberechtigung hat, wenn ihr Produkt für die Blends gebraucht wird. Weswegen von jenen 90 immer noch bei weitem nicht alle auch in größeren Mengen in ihrer ursprünglichen Form, eben als Single Malt, vermarktet werden. Ein gutes Drittel jener 90 findet nur höchst selten und dann in Form von Einzelfaßabfüllungen ihrer Besitzer den Weg zum Malt-Liebhaber.
Islay. Torf auf Schritt und Schluck.
Die Königin der Hebriden hat alles auf einmal: das Meer und den Strand, Weiden und Dünen, Berge. Und natürlich im Überfluß Torf. Und den hat man auf Islay nicht nur unter den Füßen, sondern auch im Glas – jedoch nicht zwangsläufig, wie unser Methusalem-Bunnahabhain beweist.
Single Malt Whisky Caol Ila 2000
Natürlich fehlt auch diesmal in unserer Auswahl nicht ein rauchiger, torfiger Whisky, und natürlich kommt er von Islay. Das ist vielleicht die einzige Whiskyregion, deren Malt Whiskys ohne Ausnahme in großem Stil vermarktet werden. Den großen Unbekannten kann man dort also nicht finden, nur gute alte Bekannte.
Unser diesjähriger kommt aus der nicht zum ersten Mal hier vertretenen Brennerei Caol Ila, die aber vielleicht das beste Beispiel für die oben erwähnten Prioritäten der Whiskyindustrie ist. Sie macht mehr als sechs Millionen Liter Whisky im Jahr, und davon sind 90% für Blends.
Ihr Malt ist kein „Rauch-Monster“, was ihn auch für „normale“ Whiskygenießer in entsprechenden Situationen genießbar macht: Wie frisch entfachtes Torffeuer, leicht geräucherte Haddock, weit entfernte, fruchtige, sogar blumige Noten – als ob man anfängt, Äpfel in einem Lagerfeuer am Meer zu braten. Er ist ideal für einen kühlen Sommerabend, für einen nicht allzu feucht-nassen Herbst- oder für einen Winterabend am Kamin.
Alkoholgehalt 63,1 Vol.-%. Faß-Nr. 312425, limitiert auf 310 Flaschen. Destilliert am 18.12.2000, abgefüllt im August 2011. 0,7-l-Flasche.
» Single Malt Whisky Caol Ila 2000
Interview mit Professor Walter Schobert.
Es ist schon Tradition, daß Professor Walter Schobert für uns jedes Jahr eine neue Auswahl von schottischen Single Malts zusammenstellt und kommentiert. Der ehemalige Pfarrer und frühere Leiter des Frankfurter Filmmuseums ist ebenso bekannt als Whisky-Begeisterter, der mit seiner Faszination des schottischen Lebenswassers in Büchern und bei Verkostungen andere ansteckt.
Er lebt inzwischen überwiegend auf Islay, der Whisky-Insel schlechthin. Mit Professor Schobert sprach unser Einkäufer Martin Erdmann am 31. August 2010 in Hanau. Hier die leicht bearbeitete, vollständige Fassung dieses Gesprächs als
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Single Malt Whisky Fettercairn 1996
Der Fettercairn wird von seinen Besitzern sehr wohl angeboten, so richtig bekannt ist er aber nie geworden. Sein Besitzer ist, wie mittlerweile sehr oft, nach außen eine altehrwürdige schottische Whiskyfirma wie Whyte & Mackay, die aber längst irgendeinem internationalen Großkonzern gehört, in diesem Fall den United Breweries of India (was der Qualität ihrer Whiskys in keiner Weise geschadet hat).
Die Brennerei liegt im Osten Schottlands, nicht allzuweit von der Nordseeküste, und der Löwenanteil ihres Malts geht in den firmeneigenen und nach der Firma benannten Blend. Unsere Version ist ein kleines Chamäleon, und zwar gleich doppelt: der strenge Duft steht im Gegensatz zu der angenehmen Süße, und wenn man Wasser (und das braucht er, und nicht zu knapp) zugibt, dann wechselt das kleine Feuerchen zu einer verblüffend fülligen, den Mund auskleidenden kräutrigen Süße.
Alkoholgehalt 59,2 Vol.-%. Faß-Nr. 4340, limitiert auf 280 Flaschen. Destilliert am 30.09.1996, abgefüllt im August 2011. 0,7-l-Flasche.
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Single Malt Whisky Bunnahabhain 1980
Von Islay kommt der Methusalem des Jahres, ein Bunnahabhain. Rein kommerziell sind die Parallelen zum Fettercairn unübersehbar. Formell gehört die Brennerei der schottischen Firma Burn Stewart, aber die ist im Besitz einer Holding namens CL Brands, zu der auch so edle Getränke wie der Cognac Hine gehören... Was uns nicht stören muß, solange die Brennerei arbeiten und uns mit ihrem Produkt oder besser ihren Produkten beglücken darf. Denn es werden zwei Malts gemacht, ein heftig getorfter und der alte, traditionelle, der praktisch rauchfrei ist.
Unser Malt ist von 1980, gehört also zur alten Schule. Er stammt aus einem Butt, in dem vorher Sherry war, aber das war entweder ein heller Sherry, oder das Faß ist nicht zum ersten Mal für Malt benutzt worden. Die Farbe hat einen funkelnden Messington, der bei Wasserzugabe zuerst ins Goldgelbe wechselt, ehe er ganz trübe wird – kein Wunder, denn auch dieser Malt ist, wie alle unsere Abfüllungen, naturbelassen und nicht kühlgefiltert, weswegen sich bei Kälte oder unter einem Alkoholgehalt von 46 Vol.-% Fettpartikel kristallisieren, die ihn trübe machen. Erstaunlich ist, wie jung er geblieben ist, erfrischend, von pikanter Süße mit leicht salzigen Noten: ein fast jugendlicher Senior, lebenslustig und springlebendig.
Alkoholgehalt 54,1 Vol.-%. Faß-Nr. 4389, limitiert auf 284 Flaschen. Destilliert am 28.03.1980, abgefüllt im August 2011. 0,7-l-Flasche.
» Single Malt Whisky Bunnahabhain 1980 159,00 Euro
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