Muß die Uhr eigentlich umgestellt werden? Schon wieder Sommerzeit.

„Doch die Zeiger der Uhr – drehen sich nur – vorwärts, vorwärts und nie zurück“, sang Margot Eskens 1966 beim Grand Prix. Daß es auch anders geht, zeigt die willkürliche und erwiesenermaßen nutzlose Uhrenumstellung, mit der die Menschen im Oktober die eine Nachtstunde aufgenötigt bekommen, die man ihnen im Frühling geraubt hat. Begründet wird die Umstellung mit dem vollkommen unsinnigen Argument, es sei dadurch „länger hell“, und man spare Energie. Tatsächlich läßt sich die Sonne nicht durch eine Verordnung von einem ihrer kleineren Planeten sagen, wie lange sie zu scheinen hat. Und das bißchen, was man an Beleuchtung spart, wird durch den höheren Aufwand an Heizenergie schnell verschlungen. Kritiker beklagen aber vor allem, daß die staatlich verordnete Uhrenumstellung ein Eingriff in den persönlichen Tagesablauf ist und somit in die Privatangelegenheiten der Menschen.

Die einheitliche Zeit fürs ganze Land ist erst durch die Einrichtung der Bahnstrecken notwendig geworden, davor hatte jeder größere Ort seine eigene Zeit. Die für Deutschland geltende Mitteleuropäische Zeit entspricht dem Stand der Sonne lediglich auf der geographischen Länge von Görlitz. Je weiter westlich man sich aufhält, desto größer ist der Unterschied zur wahren Ortszeit, in Aachen bereits über eine halbe Stunde. Seit 1894 nimmt man diese Einheitlichkeit gerne hin, weil sie viele Vorteile bringt und niemanden stört. Anders verhält es sich mit der Pflicht, Millionen Uhren auf falsche Zeiten zu verstellen. Züge läßt man im Herbst eine Stunde lang nachts auf freier Strecke verharren, ohne daß andere Züge im Frühling schneller fahren könnten. Der Zeitaufwand für jede Umstellerei addiert sich in über 40 Millionen bundesdeutschen Haushalten bei jeweils nur fünf Minuten auf 140.000 Tage bzw. 383,56 Jahre – die 3,1 Millionen Unternehmen sind da noch gar nicht mitgezählt. Nicht wenige Menschen leiden körperlich unter den Folgen der Uhrenumstellung, die Zahl der Unfälle steigt an, es gibt mehr Krankmeldungen und Kühe geben weniger Milch.

Fast überall, wo die Sommerzeit eingeführt wurde, gibt es große Mehrheiten gegen sie. In der Schweiz gab es 1978 einen Volksentscheid gegen die Sommerzeit, über den sich die Regierung hinwegsetzte. Portugal und Frankreich haben sich 1996 gegen die Sommerzeit entschieden, die da bereits in den Kompetenzbereich der EU entglitten war. Und die tut sich nach wie vor schwer damit, die Angelegenheit neu zu überdenken und widerlegte Argumente auf den Prüfstand zu stellen. Andererseits paßt die Beibehaltung der Sommerzeit sehr gut in die politische Kultur einer abgehobenen Verordnungsbürokratie, die freien und mündigen Bürgern mal die Uhrzeit vorschreibt, mal die richtige Glühlampe und mal die Schreibweise von Karamel oder Känguruh. Und das ist wirklich kein Spezifikum Brüsseler Euro-Apparatschiks, sondern eine Ausblühung dessen, was wir als Bürger unter der Gestaltung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen verstehen. Wäre es anders, wäre dieser Unfug längst in der Mottenkiste der Geschichte verschwunden.

Der Zwang zur falschen Uhrzeit ist sicher nicht das allerwichtigste Thema, und weitere Beispiele für falsche Taktungen gibt es zahlreiche – vorbestellte Winterreifen werden um Ostern geliefert, im Spätsommer hängen Wintersachen in den Läden, im Winter die Frühjahrskollektion. Hinsichtlich der Weihnachts- und Ostersüßigkeiten, die viel zu früh angeboten werden, haben die Hersteller weitergedacht und verwenden für Nikolaus und Häschen genau gleiche Schokoladengußformen. Die Sommerzeit aber ist ein herausragendes Beispiel für politische Borniertheit, die sich vollkommen vorteilsfrei verwirklicht. Gerade deshalb ist es durchaus bedenkenswert, dagegen anzugehen – mag man es auch für nebensächlich oder aussichtslos halten.

www.initiative-zur-abschaffung-der-sommerzeit.de
www.initiative-sonnenzeit.de

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