Das Schöne als Maßeinheit. Historischer Farbkasten.
Die Auswahl der Pigmente für unseren Wasserfarbenkasten „1900“ entspricht einem gängigen Farbsortiment aus dieser Zeit.
Damals ergänzte sich der Kanon der Künstlerfarben allmählich um synthetische, moderne Pigmente. Seit etwa 1960 aber gibt es kaum mehr traditionell hergestellte Künstler-Wasserfarbenkästen.
Unsere Aquarellfarben aus besten historischen und modernen Pigmenten kommen aus dem europäischen Zentrum für den Handel mit traditionellen Pigmenten – aus einem kleinen Allgäuer Weiler nahe Memmingen. Restauratoren, Künstler, Architekten, Geigenbauer und Handwerker aus aller Welt finden dort in der Farbmühle des promovierten Chemikers Georg Kremer „ihre“ Farbe.
Rekonstruktion alter Farben.
Über 60 historische Farben hat er bislang rekonstruieren können, so etwa das Fra-Angelico-Blau, eines der kostbarsten Pigmente der Welt, 15.000 Euro das Kilo, für das Lapislazuli zerstoßen (siehe Bild oben), gemahlen und verarbeitet wird.
Jahrhundertealte Rezepte hat Kremer entschlüsselt, die Naturstoffe auf teils aben-
teuerlichen Wegen wieder aufgespürt – seltene Erden der besonderen Art; auch Pflanzen- und Tierstoffe sind dabei. Die alchemistische Arbeit schärfte Kremers Blick auch für die von ihm vertriebenen Farbstoffe und Materialien, der etwa 30 Beschäftigte zählende Betrieb hat weltweit bei Restauratoren einen exzellenten Ruf. „Meine Kunden rechnen nicht in Farbe pro Quadratmeter. Ihre Maßeinheit ist die Schönheit“, sagt Kremer.
Dürers Hase und die Erben.
Malen mit wasserlöslichen Farben ist eine der ältesten Maltechniken: Höhlenmalereien entstanden mit Pinseln und gelöstem Hämatit oder Holzkohle; aus Ägypten sind bemalte Papyri erhalten, Albrecht Dürers Hase ist ein Aquarell, der Künstler schätzte die skizzenhaft differenzierten Möglichkeiten, die ihm diese Technik gab. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Technik vor allem in England und fand in William Turner
einen Meister. Im Jahre 1804 kam es zur Gründung der „Society of Painters in Water Colour“, später „Old Water Colour Society“ genannt. Das erstarkte Bürgertum nach dem Krieg von 1870/71, die in der neuen Zeit nun besser ausgebildeten Kinder, vererbtes Geld und ein breiteres Interesse an der Herstellung von Kunst machten das Freiluft- und Wasserfarbenmalen damals auch in Deutschland populär.
Die Farbauswahl orientierte sich am Kanon der Wand- und Ölfarben, die junge chemische Industrie machte zusätzliche Farben möglich. Nicht alle genügten den Ansprüchen der Kunstmalerei, manche Pigmente veränderten rasch den Farbton – was zu einer Gegenbewegung „zurück zur Natur“ führte.
Das Farbsortiment unseres Malkastens, den es so nur bei uns gibt, spiegelt diese Entwicklung. Synthetischer Krapplack etwa ist deutlich lichtechter als das schon von den Ägyptern verwendete Rot aus Krappwurzeln; das seit 1860 verfügbare Cölinblau erlaubt klare Nuancen von Himmelblau; für Flammruß gab es in China strenge Herstellungsvorschriften und bei der Russisch-Grünen Erde handelt es sich tatsächlich um eine solche, ihre Lichtechtheit ist seit Jahrtausenden bewiesen.
Die Farben im einzelnen: Zinkweiß, Goldocker, Terra di Siena (natur und gebrannt), Venetianischrot, Russische Grüne Erde, Kobaltgelb, Krapplack synthetisch, Kobaltgrün, Chromoxidgrün, Kobaltcölinblau, Kobaltblau dunkel, Kobaltviolett dunkel, Flammruß. » zum Produkt... 89,00 Euro
Historische Vorlage. Farbmusterteller
Unsere historische Farbpalette kommt aus der Porzellanstadt Dresden und ist eine handgemalte Reproduktion nach einem Farbmusterteller der Firma „Müller & Hennig Porzellan Farben Dresden“: undatiert, vermutlich 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Müller & Hennig war als Manufaktur von Künstlerfarben mit dem Schwerpunkt Porzellanfarbe bekannt, die sie ausweislich eines Musters in der Sammlung der Harvard University auch an die Sächsische Porzellan-Manufaktur Meissen lieferten. Unsere Farbpalette entspricht der des Originals und ist wie dort auf einem Teller angebracht.
Nach welchen Regeln die Farben damals angeordnet wurden, konnten wir trotz einiger Mühe nicht in Erfahrung bringen – eine Farbtheorie scheint jedenfalls nicht erkennbar. Die ästhetische Wirkung resultiert nicht zuletzt daraus, daß hier eine Farbpalette versammelt wurde, die wir in dieser Breite und Zusammen-
setzung heute so nicht mehr verwenden würden – und deren Farben, wenn im historischen Zusammenhang vorgefunden, mittlerweile zumeist verblichen, verbräunt oder vergilbt sind. Porzellan handbemalt. Ø 27 cm. » zum Produkt... vorher 85,00 Euro
jetzt 63,00 Euro
Europäisches Kulturgut. Leinölfarbe.
Flachs ist eine der frühesten Agrarpflanzen des eurasischen Kulturkreises und die einzige historische Ölpflanze in unseren Breiten. Aus seinen Früchten, den Leinsamen, wird Leinöl gewonnen, das nicht nur ein wertvolles Speiseöl ist, sondern auch schon seit 3000 v. Chr. als transparenter Überzug für hölzerne Gegenstände verwendet wird.
An Schadstellen eingedrungene Feuchtigkeit kann auf diese Weise schnell wieder ausdunsten, weshalb sich Leinölfarbe besonders für den Außenbereich – also Fachwerk, Holzfassaden, Türen, Fenster, Klappläden und Holzkonstruktionen – bestens eignet. Daß sie dennoch zwischenzeitlich weitgehend vom Markt verschwunden war, hat vor allem zwei Gründe.
Zum einen benötigt Leinölfarbe eine längere Trockenzeit als industrielle Farbe – was im privaten Gebrauch eher unerheblich, für das professionelle Malergewerbe hingegen sehr wohl von Belang ist. Dementsprechend setzte die Industrie auf Farben, die sich zeiteffizient verarbeiten lassen – wozu diverse Zusätze nötig sind. Leinölfarbe ist dagegen rein auf ihre Funktion hin zusammengestellt – und damit auch auf Dauerhaftigkeit. Der Zeitraum, bis ein neuer Anstrich fällig wird, ist damit deutlich länger – und der neue Anstrich ist merklich einfacher auszuführen, da Leinölfarbe nicht schichtaufbauend ist. Der alte Anstrich muß also nicht entfernt, sondern lediglich durch Abbürsten gereinigt werden, bevor er einfach überstrichen werden kann.
Wolf’s Linolie- & Trætjærefabrik.
In Wolf’s Linolie- & Trætjærefabrik – auf deutsch: Wolf’s Leinöl- & Holzteerfabrik – im Südosten der dänischen Hauptinsel Seeland kennt man sich mit Leinölfarben bestens aus. Zunächst Spezialist für Farben für historische Gebäude, Museen, Gärten (wie den Königlichen Garten in Kopenhagen) und Holzschiffe, erweiterte man – beflügelt von rasch wachsender Nachfrage – sein Angebot über die Jahre maßvoll.
Daß die auf klassische Art und Weise hergestellten Farben immer noch mehr handwerkliches Erzeugnis als Industrieprodukt sind, merkt man am Aufwand, der zu ihrer Herstellung nötig ist: Rund 400 Arbeitsstunden braucht es für 200 Liter. Was auch daran liegt, daß Wolf seine Leinölfarben so umweltbewußt wie eben möglich produziert: Sie enthalten nach Möglichkeit nur natürliche Stoffe und nichts, was nicht dem originären Zweck dient.
Die Zutaten: rein an der Funktion orientiert.
Den Leinsamen bezieht man von dänischen Farmen, die den Flachs möglichst spät im Jahr anbauen, da er in kühler Umgebung langsamer wächst. Dadurch enthält er über 60% Fettsäuren und nur wenig Proteine. Vollreif geerntet und schonend kaltgepreßt, gewinnt man daraus Leinöl bester Qualität; zurück bleibt ein nahrhafter Preßkuchen, der als wertvolles Viehfutter verwendet wird. Bevor es weiterverarbeitet wird, läßt man das Leinöl zunächst sechs bis neun Monate „reifen“, damit möglichst alle Proteine abgebaut sind, die Schimmel begünstigen würden. Neben dem Leinöl enthalten die Farben natürliche Pigmente in hoher
Dichte, bei denen man sich auf unbedenkliche Substanzen wie Titandioxid und Eisenoxid beschränkt. Das Leinöl dringt tief in das Holz ein und unterbindet bereits durch seine natürlichen Eigenschaften das Wachstum von Schwamm und Holzfäule – ein geringer Zusatz (0,08–0,1%) von IPBC, einem hochreinen Konservierungsmittel, das sich als Fungizid bewährt hat, steigert diese Wirkung noch einmal. Ebenfalls zugesetzte Erdöldestillate halten die Farben weich und streichbar. » zum Produkt... ab 32,00 Euro
enthält kein Produkt.
Kataloge bestellen oder als PDF herunterladen
Besuchen Sie uns in unseren Warenhäusern.
11,00 Euro
7,00 Euro
19,00 Euro
29,00 Euro
ab 16,50 Euro
ab 26,00 Euro
ab 28,00 Euro
6,00 Euro
19,00 Euro
9,50 Euro
Kundendaten / Bestellübersicht /
Wunschzettel etc.