Warenkorb

Schuhwerk und Handwerk. Gerbverfahren

Fullbrogue holzgenagelt
Vom Schuh.

Vieles, was heute als Schuh auf den Markt kommt, ist nach Meinung mancher Fachleute ein bis zur Untauglichkeit verkommenes Massenkonsumgut – gemessen an den schuhmacherischen Selbstverständlichkeiten, die noch bis vor einer Generation galten. Diese Qualitätsmerkmale aus Zeiten, in denen der Leibschuster das Schuhwerk mit Leisten, Ahle und Klopfstein paßgenau an den Fuß schnitt, sind bis heute das Maß der Dinge.


Die Brandsohle.

Für die Brandsohle im Innern des Schuhs lassen wir etwa bei unserem Fullbrogue und den Cavallo-Herrenschuhen besonders haltbares, altgrubengegerbtes Leder von Rendenbach verarbeiten. Rendenbach ist einer der letzten Traditionsbetriebe, die Eichenlohe als Gerbstoff für Leder verwenden; das Leder ist mindestens 12 Monate altgrubengegerbt.


Die Zwischensohle.

Bei derberen, stark beanspruchten Schuhen wird zwischen Brand- und Laufsohle eine weitere Zwischensohle eingearbeitet. Auch sie ist (soweit vorhanden) bei unseren Schuhen aus Leder (oder aber – wie bei Trabert und Red Wing – aus Naturlatex). Die Laufsohle. Das Leder für den Bodenbau muß dick, relativ hart, aber auch biegsam sein, außerdem wasserabweisend und mit einem sehr geringen Saugvermögen ausgestattet. Daher gilt für unsere Schuhe: Die Laufsohlen sind aus grubengegerbtem oder altgrubengegerbtem Leder von Rendenbach. Bei Wander- und Arbeitsschuhen sind sie aus Gummi oder reinem Latex.


Die Ausballung.

Alle unsere Schuhe haben eine Kork-, Latex- oder Wollfilzausballung, in der sich der Fuß in kurzer Zeit ein eigenes, individuelles Bett formt. Die Gelenkfeder. Sie stabilisiert den Schuh außerhalb des eigentlichen Abrollbereiches und wirkt stoßdämpfend. Bei uns besteht sie entweder aus einem massiven Eschenbzw. Buchenholzkeil oder aus Stahl.


Das Futterleder.

Das Futterleder muß die Hauptmenge der Fußfeuchtigkeit aufnehmen. Bei unseren Schuhen ist es in der Regel ein chrom- oder gemischt gegerbtes Rindoder Kalbleder.

 

Die Verarbeitung.

Die Teile eines Schuhs kann man grundsätzlich auf dreierlei Weise miteinander verbinden: Man kann sie mit Holznägeln vernageln, vernähen – im klassischen Rahmennahtverfahren, im Goodyear-Verfahren oder mit der Zwienaht – sowie verkleben (wobei letzteres die heute vorherrschende Methode, bei uns jedoch nur die Ausnahme ist).

Gerbverfahren

Gerbverfahren.

Die Gerbung ist der Prozeß, in dem Tierhaut ihre Beständigkeit gegen Wasser und Fäulniserhält. Eiweißfaser wird dabei in Lederfaser umgewandelt – ein Prozeß übrigens, der synthetisch nicht nachgebildet werden kann. Neben der Beschaffenheit der Rohware entscheidet die Art der Gerbung über die Qualität und die Eigenschaften des ledernen Endprodukts: Festigkeit, Dehnbarkeit, Wasserverträglichkeit, und auch die Eigenschaften der Oberfläche wie Härte oder Geschmeidigkeit werden maßgeblich vom Gerbverfahren bestimmt. Die traditionellen Gerbverfahren sind uralt; sie lassen sich nach den bestimmenden Gerbstoffen in drei Gruppen teilen:


Die Loh- oder Rotgerbung

erfolgt mit pflanzlichen Stoffen (Extrakten aus Rinden, Hölzern, Blättern und Früchten) und wird bei schweren Rinderhäuten angewandt. „Lohgare“ führt zu einem sehr festen, langlebigen und robusten Leder, das durch Gebrauch seine Patina erhält.

 

Die Sämischgerbung

arbeitet mit Fett und Tranen und wird vor allem auf Hirsch-, Reh-, Schaf- und Ziegenhäute angewandt. Sämischgares Leder ist ungemein weich, von fast wollartiger Beschaffenheit und kann ohne Schaden vielfach gewaschen werden.

 

Bei der Alaun- oder Weißgerbung,

einer mineralischen Gerbung, wird Alaunstein verwendet; sie wird vor allem bei Kleintierfellen angewandt und führt zu einem hellen Leder von großer Weichheit.


Die Chromgerbung,

ebenfalls mineralisch, ist dagegen jüngeren Datums. Sie wurde im 19. Jahrhundert eingeführt, arbeitet mit Chrom- und anderen mineralischen Salzen und hat den Vorteil sehr kurzer Gerbzeiten. Das Ergebnis ist ein leicht zu verarbeitendes, sehr geschmeidiges, weiches, tuchartiges Leder, wie es heute beliebt ist. Dies alles wäre noch recht übersichtlich, wenn es dazwischen nicht eine Reihe modernisierter und kombinierter Varianten der Loh-, Sämisch- und Alaungerbung gäbe, bei denen die Gerbzeiten durch mechanische und chemische Mittel deutlich verkürzt werden. Wir folgen bei unseren Lederwaren folgender Terminologie:

 

– mineralisch gegerbtes Leder nennen wir chromgegerbt.

Mit pflanzlichen Gerbstoffen hergestellte Leder werden allgemein als vegetabil gegerbt bezeichnet. Sie entstehen in Faßgerbung, Grubengerbung oder Altgrubengerbung, die – in dieser Reihenfolge – mit steigendem Zeitaufwand immer festere und zähere Leder hervorbringen. Wir nennen:

 

– pflanzlich im rotierenden Gerbfaß gegerbte und daher relativ weiche Leder mit vergleichsweise kurzer Gerbzeit vegetabil gegerbt;

 

– das in der besonderen Form der vegetabilen Gerbung im sogenannten Farbengang (einem System von 6 bis 12 mit Lohbrühe gefüllten Gruben) gegerbte Leder grubengegerbt;

 

– und das wirklich in vielen Monaten in der Grube lohgegerbte Leder altgrubengegerbt.

 

Für unser Lederwarensortiment verwenden wir (mit wenigen Ausnahmen) vegetabil gegerbtes, grubengegerbtes und (in einem Fall) sämischgares Leder. Es stammt zum größten Teil aus deutschen Gerbereien. Hier, im Heimatland der weltweit in hohem Ruf stehenden Gerberschule Reutlingen, behalten noch einige Gerber die traditionellen, langwierigen Gerbverfahren bei und besetzen damit eine kleine Marktnische. Viele unserer Taschen und Kleinlederwaren sind Eigenentwicklungen. Gemeinsam ist allen Produkten die Auswahl robuster Leder und der Rückgriff auf sattlertypische, auf Haltbarkeit zielende Techniken.

Beispiele aus unserem Sortiment