Gestell Eschenholz. Laufschienen Stahl (nicht rostfrei),
Beschläge und Lenkseil Edelstahl.
Sitz Polyester, Seile Polyamid. Länge 1,19 m, Breite 51 cm, Höhe 33 cm. Sitzfläche L 51,5 x B 31,5 cm, Sitzhöhe 18 cm. Gewicht 8,2 kg. Belastungsgewicht max. 130 kg.
Für sportliche Ambitionen. Schweizer Rennrodel.
Seit rund 70 Jahren baut der im Kanton Thurgau im Nordosten der Schweiz ansässige Handwerksbetrieb Graf Schlitten und Rodel. Die dazu geeigneten Eschen sucht der Inhaber persönlich aus, bei Forstämtern in der Ostschweiz. Ausschließlich astreine Stücke werden zu Kanthölzern aufgeschnitten, luftgetrocknet, gedämpft und in der hydraulischen Biegemaschine in die gewünschte Form gebracht.
Der Sportrodel bildet das oberste Ende der Produktpalette. Er ist für den Wettkampfeinsatz auf Naturbahnen zugelassen, einer Variante des Rennrodelns, die sich zunächst parallel mit dem Kunstbahnrodeln entwickelte und seit den 1960er Jahren eine eigenständige Disziplin (mit Welt- und Europameisterschaften) ist. Die Anforderungen, die ein Rodel dafür erfüllen muß, sind im Internationalen Reglement für (Naturbahn-)Sportrodel festgeschrieben – unser Sportrodel aus zwei Kufen mit starren Laufschienen, zwei ungeteilten Böcken und einer Sitzmatte erfüllt sie voll und ganz. Die Kufen dieses Rodels werden – und das ist das Besondere – wie ein Ski geschliffen und gewachst.
So viel zur Theorie. In der Praxis bietet der Sportrodel dem, der es sportlich liebt, die Möglichkeit zu rasanten Abfahrten und schneidigen Kurvenmanövern bei höchstmöglicher Kontrolle des Sportgeräts – selbst auf vereisten Flächen. Er verlangt dabei allerdings eine entsprechend sportliche Körperhaltung, mehr auf dem Rücken liegend als sitzend.
Prachtexemplare ihrer Gattung. Schlitten und Rodel.
Der erste, der über das Rodeln berichtete,
war der griechische Biograph und
Geschichtsschreiber Plutarch. Nach
seinen Schriften sollen die Cimbern, ein
germanischer Volksstamm, nackt durch
den Schnee auf Berge gelaufen sein,
wo sie sich auf breite, flache Schilde
setzten, abstießen und zu Tal sausten.
Von dort bis zur Nacktrodel-WM unserer
Tage in Braunlage im Harz ist es formal
nur ein kleiner Schritt, technisch
betrachtet liegen jedoch Welten zwischen
beiden Ereignissen. Schließlich
dauerte es noch viele Jahrhunderte, bis
man alpenländische Transportschlitten
kurzerhand zu Sportgeräten umfunktionierte
bzw. weiterentwickelte, wie wir
sie kennen.
Als Geburtsstunde des Rodelsports
heutiger Ausprägung wird der 12. März
1883 angesehen. An diesem Tag kam
es in der Schweiz auf der Strecke Davos–
Klosters zum ersten „Wettschlitteln“.
Von diesem Zeitpunkt an wurde
das Rodeln rasant populärer. Überall
dort, wo es Berge gab, begannen
Handwerksbetriebe mit der Fertigung
von Schlitten und Rodeln – teils alteingesessene, teils neue
Betriebe, die seinerzeit ihre bis heute
währende Tradition begründeten.
Wer sich als der Novize mit dieser Art
Wintersport befaßt, lernt zuallererst,
daß Schlitten und Rodel nicht dasselbe
meint. Ein Schlitten wie der Davoser
besitzt eine starre Konstruktion und einen
harten Holzsitz. Er ist eher für gemütliches
Tempo ausgelegt und wird
gelenkt, indem man einen Fuß in den
Schnee setzt, gewissermaßen also einseitig
bremst. Der beweglich aufgebaute
Rodel mit anpassungsfähigem Sitz
ermöglicht dagegen auch hohe Geschwindigkeiten.
Er ist so konstruiert,
daß er spurtreu ist und selbst auf Eis
noch Ausweichmanöver ermöglicht.
Man lenkt ihn, indem man die Vorderkante
der Kufe innen ent- und außen
belastet. Dies geschieht durch Gewichtsverlagerung
– vor allem der Arme
–, aber auch mit den Füßen und mit
dem an den Kufenenden befestigten
Riemen.