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Paradiesgarten

Paradiesgarten

Sommerlicher Prälatengarten im Augustiner-Chorherrenstift Neustift, Südtirol.

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Legion sind die Gartenbücher, die Ratschläge geben zur Anlage und Pflege des Gartens vor oder hinter dem Haus, nicht wenige gibt es über Kräutergärten, die sich im Umkreis vor allem der in Klöstern praktizierten Gartenkultur erhalten haben und bis heute – falls sie noch existieren – von Besuchern besonders gerne aufgesucht werden. Sie haben ihre Wurzeln in einem besonderen Kultur- und Schöpfungsverständnis dieser Einrichtungen. Garten und Kultur lassen sich offensichtlich nicht voneinander trennen.

Erhellendes über diesen Zusammenhang finden wir bei vielen Dichtern, unter anderem auch bei einem der sprachmächtigen Dichter der Gegenwart, in Martin Mosebachs Essay „Als Reisen noch geholfen hat“. Vor allem lädt dieser Zusammenhang ein, jenseits aller vom Mainstream der Wortinflation geborenen Wortzusammensetzungen mit dem Wort Kultur – vom Kulturbeutel bis zur Urlaubskultur – darüber nachzudenken, welcher Verständnishorizont dieser Gartenkultur zugrunde liegt.

Der Garten (lateinisch hortus) und die Kultur (lateinisch cultura) stehen ja zunächst als umfassendes Sinnbild für die Deutung der menschlichen Existenz, angefangen bei den biologischen Bedingungen des jahrein, jahraus gleichen Geschäfts von Säen und Ernten bis hin zu rituellen Vollzügen im Kult, angefangen bei den Tatsachen kollektiven, auf seine Erhaltung bedachten Lebensvollzugs im äußeren Leben bis zum transzendentalen Pendant des täglich vollzogenen Kultus in den Religionen, der als Versuch gelten darf, die äußerliche Lebensreproduktion mit dem Schöpfer in Verbindung zu bringen. Im Abendland war durch mehr als ein Jahrtausend die Feier dieses Kultus Kern auch künstlerischer Kultur, eine unaufhörliche Quelle der Inspiration für bildende Kunst, Dichtung und Musik bis in die Mitte unseres Jahrhunderts.

Dieses Zusammenspiel zwischen Kultus und Kunst hat bezüglich der Gartenkultur einen weiterreichen-
den Trieb gebildet: den Paradiesgarten, auch hortus conclusus genannt. Frühestes biblischesZeugnis ist das berühmte Lied der Lieder (Hohes Lied Salomos).

Dort wird uns ein dichterisch-allegorisches Sinnbild vorgestellt für alles, was sich um die Kultur der Beziehung, um die Kultur des Trauens, Vertrauens, Zutrauens, aber auch um jene der Abgeschiedenheit, Geborgenheit und Befriedung rankt. Das wird zusammengebracht mit der geistlich gedeuteten Freude an der erwachenden Frühlingsnatur. Schließlich wird im christlichen Kult Maria mit dem Paradiesgarten identifiziert. Die berühmten Abbildungen „Maria im Rosenhag“ geben davon Zeugnis. Grundlage dieser Allegorie-Entwicklung ist natürlich die Erwähnung des Paradieses als Garten im Buch Genesis (Gen 2,8-15), aber nicht als Urbild von etwas Vergangenem, sondern als Urbild der Sehnsucht, dieses Paradies wiederzufinden. Ein Ort, diese Sehnsucht zu leben, waren und sind bis auf den heutigen Tag die Klöster. Ausfluß dieser Lebenshaltung waren unter anderem auch die Kräutergärten. Sind etwa die vielen Bücher über Gärten, deren Pflege und Ausgestaltung ein untrügliches Zeichen dafür, daß diese Sehnsucht bis heute lebt?

Frater Gregor Baumhof OSB, München

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Das Paradies auf Erden (Stephanie Hauschild)

Wollte man eine Kurzformel finden für die Gartenkultur der Zisterzienser, so könnte man die erste Kapitelüberschrift dieses schönen Bandes gelten lassen: „Von der Wildnis zum Garten und zum Paradies“. Wo heute die noch bewunderten Zisterziensergärten verlocken, da war einstmals Wildnis. Von den Mönchen wurde sie bewußt aufgesucht, um sich das Paradies durch harte Arbeit wieder anzueignen. In diesem Buch läßt sich tiefer danach forschen: mit schönen Bildern, aber auch in einem ernsthaften, sehr aufschlußreichen Text.

Die Gärten der Zisterzienser. Von Stephanie Hauschild.

112 Seiten, durchgehend bebildert mit Fotografien von Zisterziensergärten und Reproduktionen alter Handschriften. Fester Einband, 24 x 24 cm. Thorbecke Verlag 2007.

19,90 

Das Paradies auf Erden