In der Nase entwickelt die Auslese Aromen
von Lindenblüten, grüner Walnuß
und sehr reifen Äpfeln mit kandierter
Süße, während im Mund vor allem der
mineralische Kern des feinherben
Weins hervortritt, der an den Geruch
des im Weinberg anstehenden Gesteins
nach einem Sommerregen erinnert.
Alkoholgehalt 12,5 Vol.-%.
0,75-l-Flasche.
Die Gunst der Lage. Auslese.
Auf dem Weingut von Racknitz, dem ehemaligen Gutshof
des Klosters Disibodenberg im mittleren Nahetal,
wird seit dem 11. Jahrhundert ununterbrochen
Weinbau betrieben, heute von
Luise Freifrau von Racknitz-Adams und
ihrem Mann Matthias Adams. Diese
edelsüße Riesling-Auslese kommt von
der besten Parzelle des Disibodenbergs,
die wie ein Parabolspiegel nach
Süden ausgerichtet ist. Die rund 35
Jahre alten Rebstöcke stehen auf den
sandigen Böden der sogenannten
Disibodenberg-Formation, einer Wechselfolge
grauer Silt- und Feinsandsteine.
Durch ihr Alter ist der Ertrag auf natürliche
Weise reduziert, die Weinstöcke
können ihre ganze Kraft in die Beeren
investieren. Diese werden von Hand reif
und bereits rosinenartig eingetrocknet
gelesen, was ein hohes Mostgewicht
gewährleistet. Der Most vergärt
schließlich auf natürlichen Umgebungshefen
und gelangt behutsam zur vollen
Reife.
Regionale Kostbarkeiten. Süßweine.
Der schlechte Ruf, der restsüßem Wein
teils bis heute nachhängt, liegt in Fehlentwicklungen
der Vergangenheit begründet. Dazu muß man wissen, daß das Erzeugen eines hochwertigen Süßweines
einerseits viel Arbeit, Sachkenntnis,
Fingerspitzengefühl und Zeit
verlangt und andererseits das dafür geeignete
Lesegut begrenzt ist. Als jedoch
mit dem steigenden Wohlstand
breiter Bevölkerungsschichten in den
Wirtschaftswunderjahren die bis Mitte
der 1980er ungebrochene Nachfrage
nach restsüßem Wein rapide anstieg,
geschah, was allgemein passiert, wenn
aus einem endlichen Stoff quasi über
Nacht ein scheinbar unbegrenzter
Strom werden soll: Lieblos erzeugte
Massenware überschwemmte den
Markt, und Verfälschungen und Manipulationen
traten auf – kulminierend im
Glykolskandal
von 1985.
Dieser war gleichzeitig ein Wendepunkt
für den Weinbau. So erließ Österreich
ein rigides Weingesetz, das naturnahen
Anbau stark bevorzugt, und viele deutsche
Winzer wandten sich von Massenweinen
ab, änderten ihre Anbaumethoden
und setzten fortan auf Spitzenqualität.
Diese Entwicklung – eine Kombination
aus Rückbesinnung und Neuentwicklung – kam allen Weinen zugute, besonders aber den Süßweinen, die
wieder zu dem wurden, was sie einst
auszeichnete: komplexe Raritäten mit
außerordentlichem Duft und Geschmack – Weine, die ein ganzes Mahl begleiten können.
Wir stellen Ihnen sechs charakteristische
Süßweine vor – vier aus Weintrauben,
einen aus Äpfeln und einen aus
Honig. Sie kommen aus mehreren Regionen
Europas und verdanken ihre Süße
ganz unterschiedlichen, meist in
langer Tradition entstandenen Formen
der Zuckerkonzentration.