Der hell kupferfarbene Wein entwickelt
in der Nase ausdrucksvolle Düfte von
weißen Blüten, Grapefruit und Steinobst,
im Mund ist er durch das sortentypische
Muskatbukett sowie Litschi
und florale Noten gekennzeichnet.
Alkoholgehalt 15 Vol.-%.
0,75-l-Flasche.
Mehr als nur süß. Muscat de Beaumes de Venise.
Die Muskatellertraube wird in Frankreich, Italien
und Spanien seit jeher zu mehr oder
weniger überzeugenden „regionaltypischen“
Weinen verarbeitet. Dominiert
werden sie meist von ihrer vordergründigen
Süße, was ihnen dagegen fehlt,
sind Säure und Aromenvielfalt. Ganz
anders der Muscat de Beaumes de Venise,
einer der besten seiner Gattung in
Frankreich, aus weißen und roten Reben
der Sorte Muscat a petits grains.
Sie wachsen zwischen Oliven- und
Mandelbäumen an Hängen auf der
Südseite der Dentelles de Montmirail,
einer aus kleinen, parallelen Bergkämmen
bestehenden Kalksteinfelsenlandschaft.
Im Windschatten der schroffen
Felsen stocken sie auf lehmigen Kalkund
sandigen Mergelböden. In dem
trocken-heißen Klima reifen Trauben
mit einem Zuckergehalt von wenigstens
252 Gramm pro Liter heran.
Unser Muscat de Beaumes de Venise
kommt aus der seit fünf Generationen
bewirtschafteten Domaine de Bernardin.
Die Fermentation erfolgt ohne Zusatz
von Hefen. Beendet wird sie durch
die Zugabe von 95prozentigem Alkohol,
der Restzucker im Wein beträgt dann
noch 110 Gramm pro Liter. Da der Muscat
de Beaumes de Venise den erfreulichen
Vorteil besitzt, daß er bereits jung
gut schmeckt, genügt ihm eine sechsmonatige
Lagerung im Stahltank, bevor
er auf Flaschen gezogen wird. Er kann
dann aber durchaus einige Jahre gelagert
werden.
Regionale Kostbarkeiten. Süßweine.
Der schlechte Ruf, der restsüßem Wein
teils bis heute nachhängt, liegt in Fehlentwicklungen
der Vergangenheit begründet. Dazu muß man wissen, daß das Erzeugen eines hochwertigen Süßweines
einerseits viel Arbeit, Sachkenntnis,
Fingerspitzengefühl und Zeit
verlangt und andererseits das dafür geeignete
Lesegut begrenzt ist. Als jedoch
mit dem steigenden Wohlstand
breiter Bevölkerungsschichten in den
Wirtschaftswunderjahren die bis Mitte
der 1980er ungebrochene Nachfrage
nach restsüßem Wein rapide anstieg,
geschah, was allgemein passiert, wenn
aus einem endlichen Stoff quasi über
Nacht ein scheinbar unbegrenzter
Strom werden soll: Lieblos erzeugte
Massenware überschwemmte den
Markt, und Verfälschungen und Manipulationen
traten auf – kulminierend im
Glykolskandal
von 1985.
Dieser war gleichzeitig ein Wendepunkt
für den Weinbau. So erließ Österreich
ein rigides Weingesetz, das naturnahen
Anbau stark bevorzugt, und viele deutsche
Winzer wandten sich von Massenweinen
ab, änderten ihre Anbaumethoden
und setzten fortan auf Spitzenqualität.
Diese Entwicklung – eine Kombination
aus Rückbesinnung und Neuentwicklung – kam allen Weinen zugute, besonders aber den Süßweinen, die
wieder zu dem wurden, was sie einst
auszeichnete: komplexe Raritäten mit
außerordentlichem Duft und Geschmack – Weine, die ein ganzes Mahl begleiten können.
Wir stellen Ihnen sechs charakteristische
Süßweine vor – vier aus Weintrauben,
einen aus Äpfeln und einen aus
Honig. Sie kommen aus mehreren Regionen
Europas und verdanken ihre Süße
ganz unterschiedlichen, meist in
langer Tradition entstandenen Formen
der Zuckerkonzentration.