Leinölfarbe besonders für den Außenbereich - also Fachwerk, Holzfassaden, Türen, Fenster, Klappläden und Holzkonstruktionen.
Die Leinölfarben dringen am
besten ein, wenn sie relativ dünn aufgetragen
werden. Beim Trocknen weitet
sich das Volumen des Ölfilms, wodurch
das Öl in die Hohlräume des Untergrunds
gepreßt wird und somit eine
Haftung zu diesem erzielt.
1-l-Dose oder 2,5-l-Dose.
Die Zutaten: rein an der Funktion orientiert.
Den Leinsamen bezieht man von
dänischen Farmen, die den
Flachs möglichst spät im Jahr
anbauen, da er in kühler Umgebung
langsamer wächst. Dadurch
enthält er über 60% Fettsäuren
und nur wenig Proteine.
Vollreif geerntet und schonend
kaltgepreßt, gewinnt man daraus
Leinöl bester Qualität; zurück
bleibt ein nahrhafter Preßkuchen,
der als wertvolles Viehfutter verwendet
wird. Bevor es weiterverarbeitet
wird, läßt man das Leinöl
zunächst sechs bis neun Monate
„reifen“, damit möglichst alle
Proteine abgebaut sind, die
Schimmel begünstigen würden.
Neben dem Leinöl enthalten die
Farben natürliche Pigmente in hoher
Dichte, bei denen man sich auf unbedenkliche
Substanzen wie Titandioxid
und Eisenoxid beschränkt. Das Leinöl
dringt tief in das Holz ein und unterbindet
bereits durch seine natürlichen Eigenschaften
das Wachstum von Schwamm und Holzfäule – ein geringer Zusatz (0,08–0,1%) von IPBC, einem
hochreinen Konservierungsmittel, das
sich als Fungizid bewährt hat, steigert
diese Wirkung noch einmal. Ebenfalls
zugesetzte Erdöldestillate halten die
Farben weich und streichbar.
Wolf’s Linolie- & Trætjærefabrik.
In Wolf’s Linolie- & Trætjærefabrik – auf
deutsch: Wolf’s Leinöl- & Holzteerfabrik
– im Südosten der dänischen Hauptinsel
Seeland kennt man sich mit Leinölfarben
bestens aus. Zunächst Spezialist
für Farben für historische Gebäude,
Museen, Gärten (wie den Königlichen
Garten in Kopenhagen) und Holzschiffe,
erweiterte man – beflügelt von rasch
wachsender Nachfrage – sein Angebot
über die Jahre maßvoll. Daß die auf
klassische Art und Weise hergestellten
Farben immer noch mehr handwerkliches
Erzeugnis als Industrieprodukt
sind, merkt man am Aufwand, der zu
ihrer Herstellung nötig ist: Rund 400
Arbeitsstunden
braucht es für 200 Liter.
Was auch daran liegt, daß Wolf
seine Leinölfarben so umweltbewußt
wie eben möglich produziert:
Sie enthalten nach Möglichkeit
nur natürliche Stoffe und
nichts, was nicht dem originären
Zweck dient.
Europäisches Kulturgut. Leinölfarbe.
Flachs ist eine der frühesten Agrarpflanzen
des eurasischen Kulturkreises
und die einzige historische Ölpflanze in
unseren Breiten. Aus seinen Früchten,
den Leinsamen, wird Leinöl gewonnen,
das nicht nur ein wertvolles Speiseöl
ist, sondern auch schon seit 3000 v.
Chr. als transparenter Überzug für hölzerne
Gegenstände verwendet wird.
Als Bindemittel für Farben – den heutigen
Leinölfarben sehr nahe verwandt –
ist es seit dem 12. Jahrhundert bekannt.
Vom 17. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
schließlich war Leinölfarbe
die am häufigsten verwendete Anstrichfarbe.
Was nicht verwundert, ist
sie doch zugleich wasserabweisend
und dampfdiffusionsoffen. An Schadstellen
eingedrungene Feuchtigkeit
kann auf diese Weise schnell wieder
ausdunsten, weshalb sich Leinölfarbe
besonders für den Außenbereich – also
Fachwerk, Holzfassaden, Türen, Fenster,
Klappläden und Holzkonstruktionen
– bestens eignet.
Daß sie dennoch zwischenzeitlich weitgehend
vom Markt verschwunden war,
hat vor allem zwei Gründe. Zum einen
benötigt Leinölfarbe eine längere Trockenzeit
als industrielle Farbe – was im
privaten Gebrauch eher unerheblich,
für das professionelle Malergewerbe
hingegen sehr wohl von Belang ist.
Dementsprechend setzte die Industrie
auf Farben, die sich zeiteffizient verarbeiten
lassen – wozu diverse Zusätze
nötig sind.
Leinölfarbe ist dagegen rein auf ihre
Funktion hin zusammengestellt – und
damit auch auf Dauerhaftigkeit. Der
Zeitraum, bis ein neuer Anstrich fällig
wird, ist damit deutlich länger – und der
neue Anstrich ist merklich einfacher
auszuführen, da Leinölfarbe nicht
schichtaufbauend ist. Der alte Anstrich
muß also nicht entfernt, sondern lediglich
durch Abbürsten gereinigt werden,
bevor er einfach überstrichen werden
kann.