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Klosterkultur im Buch

Zugänge zur Klosterkultur.

Klosterkultur ist ein äußerst vielfältiges Segment des aktuellen Buchmarktes. Insbesondere in den letzten zehn Jahren sind sehr viele neue Werke erschienen, welche die Auseinandersetzung mit dem Thema widerspiegeln. Auf der Frankfurter Buchmesse 2013 haben wir eine Auswahl von 93 Titeln gezeigt, die von der Ordensregel über die Kunst- und Architekturgeschichte, über Lebensbilder aus dem Kloster bis hin zum Lesebuch und der Bibliothek des Eremiten Zugang zur Klosterkultur ermöglichen.

Buch: Film der Antworten

Die nachstehende Auswahl möchte für die breitere Beschäftigung keinen Ersatz bieten, sondern exemplarisch zeigen, wie man mit dem Kloster in Berührung kommen kann: als Besucher und Tourist, als Mensch auf der Suche nach vertieftem Leben (sei es im Kloster auf Zeit oder konkret als Mönch), als Soziologe und Zeitdiagnostiker, als Filmemacher und Fotograf.

Alle Werke haben eines gemeinsam: Sie zeigen, daß man Klosterkultur nicht im Vorbeigehen verstehen kann, doch daß sich dem, der bei ihr verweilt, ein überraschendes Koordinatensystem fürs Leben eröffnet.

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Ein Film, nur als Buch. Film der Antworten.

Kloster bringt Film hervor, diese Verbindung zu betrachten, müssen wir wohl erst noch lernen, sehend lernen, denn selbstverständlich ist sie nicht. Dokumentationen des Klosterlebens gibt es viele, aber daß Kloster eigene künstlerische Formate evoziert, läßt aufmerken. So war es bei der Großen Stille (180 Minuten Film ohne Worte oder Musik), so ist es beim Film der Antworten von Thomas und Peggy Henke.

Buch: Film der Antworten

Auch sie dokumentieren nicht, sondern inszenieren, aber unter Verzicht auf atmosphärische Tricks und Klischees. Worum es in dem Film geht, ist vorder-
gründig schnell erzählt: Schwestern der Benedik-
tinerinnenabtei Mariendonk antworten auf Fragen, die ihnen gestellt werden. Der Frager bleibt unsichtbar, auch seine Fragen kommen nicht vor, nur die Antworten werden festgehalten. Nüchtern, ohne Kulisse, illustriert nur durch die Gesichter und Gesten der Schwestern.

Der Film wird an verschiedenen Orten öffentlich gezeigt, zuletzt unter anderem auf der Zeche Zoll-
verein in Essen. Als DVD wird er ebensowenig je erhältlich sein, wie er im Kino laufen wird.

Das war von Anfang an mit den Schwestern so vereinbart, und von Anfang an war auch klar, daß es ein Buch geben wird mit dem Text des Films und einer Auseinandersetzung mit Entstehung und Wirkung.

Kloster in Welt und die Relativität der Zeit.

Die Aufnahmen zum Film dauerten insgesamt sieben Jahre. 120 Stunden Material kamen dabei zusammen, und aus diesen wurden jene vier Stunden in Endlosschleife, der Film der Antworten. Zeiten und Prozesse von Ausmaßen, bei denen der Filmkünstler seine eigenen Reifungsprozesse mit einbeziehen muß.
Ein reiner Film mit Bonmots und Weisheitssentenzen wäre für Henke nicht interessant gewesen. Er ist überzeugt, daß so etwas nicht mehr in die Zeit paßt, zu weit von der Wirklichkeit entfernt ist.

Buch: Film der Antworten

Doch Kloster hat für ihn einen originären, unaufgebbaren Stellenwert in unserer Gesellschaft und Zeit: "Wenn es das nicht gäbe, würde eine ganze Dimension fehlen, eine anderes Zeitempfinden und eine spezifische Lebensbetrachtung. Wie ein Stein in einem gigantischen Fluß."

Film der Antworten.

Von Peggy und Thomas Henke. 240 Seiten. Ganzleinen, 30,7 x 23,7 cm. Verlag für moderne Kunst 2012.

Wo der Film demnächst läuft und weitere Informationen dazu finden Sie unter www.filmderantworten.de

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Ora et labora

Kontemplation und Weite. Ora et labora.

Nicht auf den ersten Blick erschließt sich dieser Bildband, trotz oder gerade wegen seines großen Formates. Das Medium Hans-Günther Kaufmanns ist das Bild, in erster Linie die Fotografie. Und seine Beschäftigung mit der Kultur des Benediktinerordens ist kein momentaner Einfall, sondern über lange Jahre und Kontakte gewachsen und gereift.

Für ihn ist das benediktinische Klosterleben eine "erprobte Alternative in unserer unruhigen Zeit", er möchte mit diesem großzügigen Bildband "diese Alternative in der Sprache der Bilder veranschaulichen."

Und diesem Ziel nähert sich der Fotograf nicht über ein zufälliges buntes Panorama einer exotischen Welt, sondern mit dem eigenen Blick und durchaus mit einem feinen Sinn für die Spannung zwischen dem Vertrauten und dem Fremden. Ein weiterer Vorzug dieses Buches ist der Verzicht auf Kommentare.

Ora et labora

Lediglich an einigen Stellen wird das Bildgefüge durch ein Zitat aus der Benediktsregel unterbrochen. Vorbemerkungen macht Abt Notker Wolf, und er legt seinen Akzent auf die Gemeinschaft. Damit hat er wohl einen wesentlichen Aspekt erfaßt, den der Fotograf mit seinen Bildern verdeutlichen will: die Kommunikation, das Gemeinsame, das zwar im Kloster nicht besser gelingt als anderswo, das aber doch wesentlich und tragend für diese Lebensform ist. Und diese Perspektive ist es, die den Betrachter dieses Buches dem rein Ästhetischen entzieht und hineinnimmt in eine Lebensform.

Ora et labora

Das Prinzip Benedikt. Mit Fotos von Hans-Günther Kaufmann und einem Vorwort von Notker Wolf. 180 Seiten. Ganzleinen, 30 x 30 cm. EOS Verlag 2013.


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