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Klosteralltag

Klosteralltag

Konventsversammlung bei den Trappisten von Nový Dvůr / Tschechien.

„Das entspricht vernünftiger Überlegung ...“  Tätiger und beschaulicher Klosteralltag.

Zwei Pole sind es, die Spannung und Dynamik des Klosterlebens aufbauen: das tätige und das beschauliche Leben, „vita activa“ und „vita contemplativa“. Diese beiden Begriffe der antiken Philosophie sind existentielle Begriffe des menschlichen Lebens und von daher nicht auf den Raum des Klosters beschränkt. Schaut man sich die vielen klösterlichen Produkte in diesem Katalog an, so mag der Gedanke naheliegend erscheinen, daß in diesen Klöstern die Aktivität einen großen Stellenwert einnehmen müsse. Andererseits sind es doch gerade die sogenannten „beschaulichen“, „kontemplativen“ Orden wie Benediktiner, Zisterzienser und Trappisten, die einen Großteil dieser Waren herstellen.

Ein Blick in die Ordensregel des hl. Benedikt zeigt, daß die Grundstruktur des Klosterlebens nicht polar ist, sondern komplementär. Die Grundstruktur ist das Suchen und das Hören; das erste Wort der Regel ist „Höre“. In einigen alten Handschriften wird dies mit dem lateinischen Wort „obsculta“ zum Ausdruck gebracht, was soviel heißt wie: „entgegenhören“, „mit dem Ohr entgegenkommen“. Dieses Hören ist also nicht nur das passive Hören des Schülers, sondern schon Aktivität. Die Antwort erfolgt vor allem im Gottesdienst, da soll man sich so verhalten, daß „das Herz im Einklang mit der Stimme steht“.

Dreh- und Angelpunkt des Klosteralltags ist der gemeinsame Gottesdienst in der Kirche, und dieser ist offensichtlich eine Aktivität, bei der das Herz Antwort geben muß. Tätigkeit und Beschaulichkeit bedingen einander. Das haben die Kartäuser sehr treffend formuliert: „Hier lebt man in einer Muße voller Tatkraft und verharrt in einer Tätigkeit voller Ruhe.“ Wie sieht nun konkret der Alltag im Kloster aus? Nun, es gibt kein Musterkloster, sondern viele verschiedene Formen und örtliche Besonderheiten. Allen gemeinsam ist das Stundengebet, die Strukturierung von Nacht und Tag durch bestimmte Gebetszeiten, in denen Hymnen, Psalmen und Lesungen die Hauptrolle spielen.

Die Nacht ist in diesem Zusammenhang auch nicht nur Schlafenszeit, sondern wird schon zum Gebet genutzt, so daß zwischen drei und sechs Uhr in der Frühe die „Nachtwachen“ („Vigilien) und das Morgenlob („Laudes“) einen wichtigen Raum einnehmen. Die frühen Morgenstunden werden von den meisten Mönchen und Nonnen zum Lesen der Bibel genutzt. Über Tag gibt es immer wieder kleinere Gebetszeiten, die der antiken Zeiteinteilung entsprechen und nur kurz sind: die dritte, sechste und neunte Stunde. Darin sind Arbeitszeit, die hl. Messe und das Mittagessen eingebettet.

Das Abendgebet („Vesper“) beschließt den aktiven Tag, die Gebetsstunde der „Komplet“ vor dem Schlafengehen gegen 20:30 Uhr führt in das nächtliche Schweigen. Zumeist ist auch der Austausch untereinander nach dem Abendessen fester Tagesbestandteil. Klosterleben ist vor allem Alltag und Praxis, auch in seiner geistlichen Dimension. Zwischen Aktion und Kontemplation vermittelt die Klugheit, die Unterscheidung der Geister, der klare Blick für das Leben. In der Klosterregel Benedikts heißt das ganz einfach „vernünftige Überlegung“.

Martin Erdmann