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Klöster und ihre Verortung in der Gesellschaft

Chorin

Das ehemalige Zisterzienserkloster Chorin inmitten eines UNESCO-Biosphärenreservats.

Es ist erstaunlich, welche enorme Anziehungskraft von Klöstern ausgeht. Aktive Klöster lösen bei Menschen unterschiedlichster Lebensstile und Glaubensrichtungen eine Faszination aus, die oftmals weit über religiöse Motive hinausgeht oder sogar davon unabhängig ist. Doch nicht nur den praktizierenden Klostergemeinschaften, auch den ehemaligen Klöstern scheint oft noch nach jahrhundertelanger Inaktivität oder anderweitiger Nutzung ein Teil dieses „Zaubers“ innezuwohnen, denn die historischen Bauten – heute Kulturhäuser, architektonische Denkmale oder dergleichen – üben ebenfalls noch eine große Anziehungskraft aus. Dies spricht dafür, daß die Orte einerseits mit der ehemaligen Nutzung „aufgeladen“ sind, die Architektur nach wie vor einen erheblichen Teil der Besonderheit des Ortes transportiert und die Besucher darüber hinaus mit großem Vorstellungsvermögen und Phantasie hinsichtlich des klösterlichen Lebens ausgestattet sind.

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Zukunftsperspektiven.

Europa und mitten darin Deutschland ist von aktiven und ehemaligen Klöstern geradezu übersät. Viele der Klostergemeinschaften wurden bereits im Zuge der Reformation oder der Säkularisierung aufgelöst. Nicht wenige bestehende Klostergemeinschaften befinden sich derzeit aufgrund fehlenden Nachwuchses in der Auflösung. Diskussionen über Zukunftsperspektiven und die Neubestimmung des eigenen Standortes in der Gesellschaft finden deshalb momentan in fast allen Klöstern statt. Zentrales Thema sind dabei sowohl in den aktiven Gemeinschaften als auch den ehemaligen Klöstern das gesellschaftliche Interesse und die Anforderungen auf beiden Seiten. Auf klösterlicher Seite drehen sich die Fragen zum einen um die eigene religiöse Berufung, zum andern um die Funktion in der Gesellschaft. Letztere Frage stellen sich auch die ehemaligen Klöster, die einerseits eine Veränderung der Motive und Interessen der regionalen Besucher und Kulturtouristen feststellen und sich andererseits zunehmend mit ihrem Angebot von anderen Museen und Kulturhäusern unterscheiden oder den existierenden Unterschied stärken möchten. Die Frage, welche Ansprüche die Gesellschaft an sie stellt, ist für die klösterlichen Gemeinschaften und die musealen Einrichtungen daher interessanterweise gleichermaßen relevant. Das gesellschaftliche Interesse geht – soviel läßt sich schon feststellen – oftmals über die religiösen Themen in den aktiven und die historischen Themen in den ehemaligen Klöstern hinaus.

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Faszination und Vorbildfunktion des Klosterlebens.

Die Abgeschiedenheit, das gemeinschaftliche Zusammenleben, die Hingabe an Gott, der geregelte Tagesablauf, das klösterliche und nachhaltige Wirtschaften in Küche und Garten, das kreative und handwerkliche Schaffen in den Werkstätten – diese Aspekte des klösterlichen Lebens finden sich im Leben eines jeden wieder und stehen mal beispielhaft, mal fernab und mal im Kontrast zum eigenen Leben. Romantisiert bilden diese Aspekte insgesamt einen wichtigen Teil des faszinierenden Raums „Kloster“, der gerade durch seine Entfernung vom Alltag seine Anziehungskraft gewinnt. Einzeln betrachtet und diskutiert, gewinnen diese Aspekte gesellschaftliche Relevanz und stehen im Fokus der Gäste und Besucher, die neben den bestehenden Angeboten – einem hochwertigen Kulturprogramm, kulinarischen Gaumenfreuden, geschichtlichen Informationen und spirituellen Angeboten – einen thematischen Bezug zum eigenen Leben von einem Klosterbesuch erwarten.

Zisterzienserkloster Neuzelle

Das barockisierte Zisterzienserkloster in Neuzelle nahe dem deutsch-polnischen Grenzfluß Oder/Odra

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Auf der Suche nach neuen Lebensmodellen.

Aktive Klöster wie auch jene, die heute museal und kulturell genutzt werden, bieten Besuchern Anknüpfungspunkte für ihre eignen, konkreten Lebensfragen und treffen sich darin, Orte der Suche nach neuen Lebensmodellen zu sein. Klöster können durch ihr „Inseldasein“ in der Gesellschaft und ihre feste, über alle politischen Veränderungen erhabene Verankerung in der Region Institutionen des gesellschaftlichen – und damit auch persönlichen – Reflektierens sein. Dadurch (re-)aktivieren sie ihre Relevanz für eine Gesellschaft, die stark durch Entkirchlichungs-, Individualisierungs- und Säkularisierungsprozesse geprägt ist, eine Gesellschaft, für die Religion im alltäglichen Leben eine nachgeordnete Bedeutung eingenommen hat, die von Schnellebigkeit, großer Unsicherheit, unendlichen Wahlmöglichkeiten und Informationsüberflutung geprägt ist und die sich zu fragen beginnt, wie sie in Zukunft leben möchte.

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Das Netzwerk KLOSTERLAND.

Sowohl aktive Klostergemeinschaften als auch ehemalige Klöster möchten diese Themen zukünftig bearbeiten. Zu diesen Einrichtungen gehören auch die Mitglieder des Netzwerks KLOSTERLAND. Der gemeinnützige Verein wurde 2013 von den Partnern des Deutsch-Polnischen Klosternetzwerks mit dem Zweck gegründet, eine interne, grenzübergreifende Zusammenarbeit zu etablieren und die Erhaltung und Wiederbelebung des klösterlichen Kulturguts zu unterstützen. Der Verein ist heute überregionaler Ansprechpartner für ehemalige und aktive Klöster, ihre Regionen und Städte und ihre (kulturtouristischen) Zielgruppen.

Dominikanerkloster Prenzlau

Das Dominikanerkloster Prenzlau ist Kulturzentrum und Museum und beherbergt die Geschäftsstelle des Vereins KLOSTERLAND

Die Klöster in der Oderregion wurden einst von unterschiedlichsten Orden errichtet. Prämonstratenser, Benediktiner, Zisterzienser, Franziskaner, Augustiner, Dominikaner, aber auch deren weibliche Zweige prägten die Region seit dem 11. Jahrhundert nachhaltig. Die derzeit 14 deutschen und polnischen Mitgliedsklöster befinden sich überwiegend in kommunaler Trägerschaft und heißen Besucher mit verschiedensten Interessen willkommen. Mit ihren vielfältigen Angeboten vermitteln sie ihren Gästen die Geschichte der historischen Bauwerke, informieren über die einmalige Architektur und ermöglichen es den Besuchern, die Orte für sich zu entdecken und zu erleben. Zu den Mitgliedsklöstern gehören die zeitgleich gegründeten Dominikanerklöster in Prenzlau und Soldin (Myslibórz). Wie sie stehen auch die Anlagen der Franziskaner, ebenfalls ein Bettelorden, in Angermünde und Kyritz nahe dem historischen Stadtzentrum. Als bisher einziges Augustinerkloster ist Königsberg (Chojna) dabei. Die Zisterzienser hingegen trugen in der Region maßgeblich zur Urbarmachung und Bewirtschaftung bei und gründeten zahlreiche Standorte inmitten der Natur. Vereinsmitglieder sind die Klosterstandorte Marienwalde (Bierzwnik), Kolbatz (Kołbacz), Chorin, Lehnin, Neuzelle und Doberlug-Kirchhain sowie die ehemaligen Zisterzienserinnenklöster in Altfriedland (bei Neuhardenberg), Rühn und Zehden (Zedynia).

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Bearbeitung gesellschaftsrelevanter Klosterthemen.

Der Austausch mit aktiven Klöstern und die Beschäftigung mit den gesellschaftsrelevanten Themen historischer und heutiger Klostergemeinschaften wird das Angebot des KLOSTERLAND e.V. zukünftig erweitern. Neben dem Ziel, weitere, auch aktive Klostergemeinschaften als Mitglieder zu gewinnen, wurden erste Schritte in diese Richtung unternommen. Dazu gehören die Unterstützung des „Zentrums für Klosterkultur“ und eine Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/ Holzminden/Göttingen (HAWK). Das „Zentrum für Klosterkultur“ ist eine Initiative, den Austausch zwischen Vertretern aus „Kloster und Welt“ zu initiieren und zu fördern und die gesellschaftliche Relevanz aktiver und ehemaliger Klöster neu zu diskutieren. Das Zentrum besteht derzeit in Form regelmäßiger Treffen ausgewählter Akteure, soll jedoch in Zukunft auch einen physischen Standort finden (www.zentrumfuer- klosterkultur.de). Im Rahmen der Kooperation mit der HAWK wurde ein Seminar durchgeführt, in dem Designstudenten Klöster besuchten und sich anschließend den für sie relevanten Themen widmeten, diese in Objekten und Produkten materialisierten und neu beschrieben. Jahr für Jahr widmet sich der Verein darüber hinaus einzelnen Spezialthemen, so 2015 der klösterlichen Landwirtschaft mit den Aspekten Selbstversorgung, nachhaltiges Wirtschaften, klösterliche Innovationen für Garten und Feld und die heute noch sichtbare Veränderung der (Kultur-)Landschaft.

Netzwerk Klosterland

Netzwerk Klosterland

Klöster prägen ihre Umgebung und sind wichtiger Bestandteil regionaler Identität. Das gilt nicht nur für die aktiven Klöster. Auch dort, wo das Ordensleben selbst schon seit Jahrhunderten erloschen ist, prägen Klöster ihre Region noch wesentlich und sind auf je eigene Weise Teil des kulturellen Lebens. Der aufmerksame Besucher findet auch dort noch vielfältige Spuren der Lebensweise von Mönchen und Nonnen. Der gemeinnützige Verein Klosterland wurde 2013 von den Partnern des deutsch-polnischen Klosternetzwerks gegründet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, ehemalige und aktive Klöster zu vernetzen und ihre Zusammenarbeit zu fördern. Netzwerk Klosterland