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Klar Seifen. Ein durch und durch sinnliches Erlebnis

Kaum öffnet Niels Klar die Tür zu seiner Manufaktur, ist unverkennbar, was hier am Rande des Heidelberger Industriegebiets Rohrbach Süd mit Blick auf die Weinberge produziert wird: Feine Düfte von Seife steigen dem Besucher in die Nase und mischen sich mit unterschiedlichsten Aromen von Lavendel, Zitronengras und Mandel. Um in die Produktionshalle von Klar Seifen zu gelangen, durchschreitet der Inhaber das Lager. In etlichen Kisten und Kartons stapeln sich Seifen verschiedenster Formen, Größen und Düfte bis unter die Decke. „Es ist gar nicht so groß alles. Ein kleiner, familiärer Betrieb mit neun Mitarbeitern“, erklärt Niels Klar, der seit 2006 die Firma leitet, die sein Ururgroßvater Philipp Klar 1840 gründete. Heute in fünfter Generation geführt, ist Klar Seifen deutschlandweit die älteste Seifenmanufaktur in Familienhand.

„Das hier ist der Raum, in dem eigentlich alles stattfindet“, erzählt der Firmeninhaber, als er in die große Halle tritt, die durch hohe Lagerregale in zwei Bereiche geteilt ist. Gerade steht die Produktion still, an diesem Morgen hallen Oldies durch den großen Raum. Nur ein unregelmäßiges Bürsten auf Metall durchbricht den Takt. Ein Mitarbeiter reinigt den Mischer. „Wir haben einen Farb- und Produktionswechsel. Und müssen zwischendurch saubermachen“, kommentiert Niels Klar. „Das ist auch ein Teil unserer Beschäftigung.“ Dass der Betrieb seine Produktion umstellt, ist keine Seltenheit. So kann es schon mal vorkommen, dass bei den angrenzenden Firmen an dem einen Tag Rosmarin-, an dem anderen Pampelmusenduft über den Hof weht.

Denn Klar Seifen fertigt 250 bis 300 verschiedene Artikel, also Formen und Rezepturen, im Jahr – auch kleinere Serien sind dabei. Bei jedem dieser Artikel wird so lange gemischt, gewalzt und getrocknet bis der Firmeninhaber aus voller Überzeugung sagen kann: Das ist eine gute Seife. Niels Klar meint es ernst, wenn er erklärt, er wolle die Geschichte der Seife fortschreiben. In der Heidelberger Traditionsmanufaktur steht die Qualität an erster Stelle, nicht die Masse. Das ist von dem Moment an klar, in dem Niels Klar bodenständig in seiner Arbeitsmontur in Cordhose und Pullover die Tür öffnet.

Blütenblätter für die Seifen

Rein pflanzliche Inhaltsstoffe. Wenn möglich aus der Region.
„Mit kontrolliert biologischem Anbau und Fair Trade fängt für mich heutzutage die Seifenproduktion an“, ist Niels Klar überzeugt. Aus dieser Überzeugung heraus werden viele Klar Seifen auf Basis rein pflanzlicher Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) gefertigt; auf künstliche Konservierungsstoffe wie Parabene und Silikone sowie tierische Inhaltsstoffe wird gänzlich verzichtet.

Für die Grundseife, die Basis einer jeden Seife, werden Palmöl und Kokosöl mit einer alkalischen Lösung, einer Lauge, gekocht. Für Niels Klar ist es eine Selbstverständlichkeit, Palmöl ausschließlich aus kontrolliert biologischem Anbau zu beziehen, steht die konventionelle Kultivierung doch stark in der Kritik. Der Inhaltsstoff gehört für ihn zur „Ursprünglichkeit der Seife“ dazu, denn die Mischung aus Palm- und Kokosöl führt zu einem besonders geschmeidigen Seifenschaum, der mit anderen Ölen nicht zu erreichen ist. Nachhaltigkeit und Seifenproduktion gehen für Niels Klar also problemlos überein – man muss eben nur wissen wie.

Die entstehende Grundseife wird mit Blütenblättern oder Kräutern sowie Pflegestoffen verfeinert, auch hochwertige Parfümöle oder rein ätherische Öle werden beigemischt. Auf diese Weise entstehen die verschiedenen Seifenarten. Bei der Auswahl dieser Inhaltsstoffe legt Niels Klar viel Wert auf Regionalität. Deswegen ist in dem Sortiment von Klar Seifen auch kein Maracujaduft, sondern vielmehr der von Fichtennadel und Rosmarin zu finden. Auch außergewöhnliche Ingredienzen wie Spätburgunder oder Riesling aus der Region schaffen es in die Seife. „Das ist nicht immer der einfachste Weg, aber für uns muss er eben stimmig sein“, sagt Niels Klar überzeugt.

Jeder Handgriff muss sitzen. Auch an der Maschine.
Wo am Vormittag noch die komplette Produktionslinie entlang der Fensterseite der Halle still stand, laufen am Nachmittag die Maschinen auf Hochtouren. Jetzt kann Niels Klar wegen der Geräuschkulisse nicht mehr lange ohne seine „Mickeymäuse“ arbeiten, wie er die Ohrenschützer nennt. Auch auf der anderen Hallenseite beginnt die Seifenherstellung; weil die Maschinen zweifach vorhanden sind, können zwei Produktionen gleichzeitig laufen. Auf den ersten Blick würde man es nicht zwangsläufig vermuten, aber es braucht neben Niels Klar, der die Fäden in der Hand hat, noch zwei Mitarbeiter, um die Produktion in Gang zu halten.

Auch wenn die alten „Automaten“, wie der studierte Maschinenbauingenieur sie nennt, eigentlich von allein funktionieren sollten. So sehr es auch erstaunt: Als Niels Klar einmal den Schrittzähler anschaltete, hatte er am Ende des Tages 15.000 Schritt auf der Anzeige. Für einige Vorgänge sind erfahrene Mitarbeiter unentbehrlich. Denn die Zutaten müssen in den Mischer gegeben, die Abläufe überwacht werden. Und am Ende der Produktion muss immer einer stehen, der die fertigen, noch warmen Seifen kontrolliert und zum Trocknen und Auskühlen in Kisten oder Kartons legt. In Großbetrieben hingegen packen Maschinen die noch warmen Stücke umgehend ein, zum Erkalten werden sie in Kühlanlagen geschoben – weil es schnell gehen soll.

Zeit ist Gold. Die Sorgfalt macht den Unterschied.
Auch wenn es während der Produktion hektischer zugeht, ticken bei Klar Seifen die Uhren grundsätzlich anders als in vielen großen Unternehmen. „Wir nehmen uns bewusst die Zeit dafür, ein schönes Produkt herzustellen. Das geht aber nur, wenn man eine gewisse Sorgfalt walten lässt und sich auch die Zeit dafür nimmt.“ Neben den Inhaltsstoffen ist auch diese Präzision entscheidend für die Qualität.

Zwischen 10 und 15 Tonnen Seife produziert die Manufaktur im Jahr – eine Menge, die große Firmen an einem Tag herstellen. Obwohl viele der Produktionsschritte mit neuesten Maschinen deutlich schneller durchzuführen wären, setzt Geschäftsführer Niels Klar bewusst auf altbewährte und zumeist langsamere Prozesse.

So werden die Inhaltsstoffe der Seife nach dem Mischen in einer Pilliermaschine mithilfe von Walzen zu einer homogenen Masse verarbeitet. Jedes Stück durchläuft dabei mindestens fünf anstelle der üblichen drei Walzvorgänge, häufig sind es bei Klar Seifen auch deutlich mehr. Dabei entsteht ein Produkt, das besonders verdichtet und ergiebig ist.

Der Extruder, eine spezielle Presse, formt die Masse unter Hitzeeinsatz zu einem festen Strang, der in gleich große Teile geschnitten und abschließend in Form gepresst wird. Die fertige Seife wird längere Zeit gelagert, weil sie „verschnaufen darf und soll, denn sie ist ja beim Produzieren warm“. Erst wenn sie abgekühlt ist, wird die Seife von Hand in Seidenpapier und Schachteln verpackt

Altbewährt und innovativ. Seifen mit Geschichte.
Dass Tradition und Innovation sich nicht ausschließen müssen, dafür liefert Klar Seifen den Beweis. Als Niels Klar das Unternehmen von seinen Onkeln übernahm, wusste er, dass er den Firmennamen über die Grenzen hinweg bekanntmachen wollte ohne Altbewährtes aufzugeben. In der Konsequenz erfolgte die Verschiebung von der Lohnherstellung zur Eigenmarke. Die Produktionsvorgänge ließ der Firmeninhaber dabei unberührt, es entstanden jedoch viele neue Produkte – in Bezug auf Düfte wie Inhaltsstoffe. Immer wichtiger werden heute auch dermatologische Erkenntnisse. Dennoch basieren viele der Klar Seifen noch auf altbewährten Klassikern wie dem Duft von Russisch Leder oder Juchten. Diese hatte der Firmengründer Philipp Klar schon im 19. Jahrhundert von der Walz aus Sankt Petersburg – am Zarenhof wurde viel Wert auf Kosmetisches gelegt – und aus der französischen Dufthochburg Grasse mitgebracht.

Seifen von Klar
Produktionsstempel Klar Seifen
Klar Seifen Handarbeit

Auch sind noch einige der Gerätschaften von damals in der Produktionshalle zu finden. Dort wird etwa in Handarbeit die Badeseife in Form und die Kordel in die Badeseife gepresst. Daneben steht eine mehr als 100 Jahre alte Spindelpresse, an der schon Niels Klars Urgroßvater mit rund 200 Formen Seifenstücke zu Elefanten, Hasen oder Eisbären presste. Die Produktion solcher Seifen ist aufwendig und heute eher rar. Und dennoch benutzt der Maschinenbauingenieur die Presse hin und wieder für limitierte Serien: „Die alten Werkzeuge sind Zeitzeugen von damals. Und es macht Spaß, damit zu arbeiten.“

Großmutter als Seifenikone. Genauso beliebt wie damals.
Seife ist zeitlos, spricht aus dem, was Niels Klar erzählt. Man müsse sie nur wieder attraktiver gestalten. „Viele Jahre war sie durch viele nicht innovative Entwicklungen ein bisschen verkümmert“, findet er – etwa, weil auf drei Zitronenseifen noch eine vierte folgte. Und wegen des aufkommenden Duschgels, das sicherlich praktisch, aber nicht sehr ergiebig ist. „Aktuell erfährt das Seifenstück jedoch eine Renaissance“, stellt der Heidelberger fest. Möglicherweise wegen seiner Haptik. Vor allem aber, weil ein Produkt, das sich so lange behauptet hat, gar nicht schlecht sein kann. „Ich glaube, das ist ein Besinnen auf das Ursprüngliche. Das ist einfach ein schönes Produkt, das die Menschen seit Tausenden von Jahren begleitet“, schwärmt Niels Klar.

Nicht zuletzt führt wohl auch die Verpackung der Klar Seifen dazu, dass ihre Nutzer sich in die alte Zeit versetzt fühlen: Ziert der Eisbär – seit Firmenbeginn fest im Logo von Klar verankert – neben Zimt-, und Nelkenseife auch die farbigen Verpackungen der Kern- und Soleseife, sticht die Damenseife besonders heraus.

Das Werbemotiv aus den 1950er Jahren zeigt die Großmutter des aktuellen Firmeninhabers: mit Badehandtuch um den Kopf geschlungen und – wie könnte es passender sein – einem Stück Seife in der Hand. Es war Niels Klar, der die Abbildung vor einigen Jahren in einem Karton mit alten Kinowerbungen fand. Als er sie sah, wusste er: Großmutter Klar soll wieder ganz groß rauskommen.

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