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Jenaer Glas – Funktionskunst für die Küche

Ganz unscheinbar, fast schon bescheiden kommt der Name Jenaer Glas daher. Kein klangvoller Kunstname, nur eine Herkunftsbezeichnung: Glas aus Jena – Jenaer Glas. Dabei könnte die Marke durchaus mehr Selbstbewusstsein zeigen: Das hitzebeständige Haushaltsglas eroberte ab den 1930er Jahren nicht nur die Küchen der Nation, sondern dank der Zusammenarbeit mit bekannten Bauhaus-Künstlern in der Folge auch die Vitrinen berühmter Museen wie des MoMA in New York.

 

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Jenaer Glas bei Manufactum

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Aus dem Labor in die Küche. Wie aus Borosilikatglas Jenaer Glas wurde.

Als der Chemiker und Glastechniker Otto Schott 1887 in Jena mit der Entwicklung von hitzebeständigem Glas begann, hatte er einen klar wissenschaftlichen Fokus: Borosilikatglas, wie er seine Entwicklung nannte, kam als Thermometerglas, Laborglas und bei Gasglühlichtzylindern zum Einsatz. Erst 1918, knapp 30 Jahre später, brachte er die ersten Gebrauchsgläser unter dem Handelsnamen Jenaer Glas auf den Markt – die Eigenschaften waren dieselben, nur der Einsatzzweck war ein anderer: Babymilchfläschchen starteten als Wegbereiter, was folgte, waren Teegläser und Backgeschirr. Der Schritt aus dem Labor in die Küche war aufgrund ähnlicher Materialanforderungen ein logischer, nur war ihn bisher in Deutschland niemand gegangen.

Das neuartige Material und sein zurückhaltender, reduzierter Auftritt erzeugten bei den Kunden zunächst vor allem Skepsis. Undekoriert und schlicht präsentieren sich die Produkte aus Jenaer Glas – eben ähnlich Laborgegenständen –, was zu jener Zeit nicht nur unüblich war, sondern überhaupt nicht dem aktuellen Zeitgeschmack entsprach. Das Einzige, was sich gut verkaufte, waren die Milchfläschchen, die in den Kunden offenbar eine unbekannte Form von Pragmatismus hervorriefen.

Wilhelm Wagenfeld und László Moholy-Nagy. Das Bauhaus formt die Marke Jenaer Glas.

Das Bauhaus war es schließlich, das ab 1919 modernistische Ideen für Kunst und Handwerk aufbrachte und die bis heute wirkende Gestaltungsidee „Die Form folgt der Funktion“ in Deutschland etablierte. So verwundert es nicht, dass schon bei der Eröffnung des „Musterhauses am Horn“ im Jahr 1923 (ein Versuchshaus des Bauhauses in Weimar) Backgeschirr aus dem Hause Jenaer Glas die Kücheneinrichtung komplettierte – ein Produkt, das diese Maxime bereits mustergültig umsetzte.

Trotzdem dauerte es noch weitere acht Jahre, bis Jenaer Glas tatsächlich zum Siegeszug durch deutsche Küchen ansetzte. Zwar hatte es auch in der Zwischenzeit schon erste fruchtbare Kooperationen zwischen der Firma Schott und Denkern und Machern des Bauhauses gegeben, aber erst 1931 fokussierte man konkret die Entwicklung des industriell produzierten Gebrauchsglases für den breiten Markt. Der Sohn und Nachfolger des Firmengründers Erich Schott war es, der die Bauhäusler Wilhelm Wagenfeld und László Moholy-Nagy für die Bekanntmachung der Marke engagierte – den einen als Gestalter und den anderen als Werbefachmann.

Einer der ersten Entwürfe Wagenfelds sollte später der berühmteste werden: Bereits 1931 gestaltete er die stilbildende Wagenfeld Teekanne aus Jenaer Glas, die sich sogar einen Platz im New Yorker Museum of Modern Art sichern konnte. Aber auch viele andere seiner Designs, wie der berühmte Eierkoch aus dem Jahr 1934, den wir aufgrund seiner schlichten Eleganz und simplen Funktionalität zu schätzen wissen, gingen in die Ruhmeshalle des Produktdesigns ein.

Es ist allerdings fraglich, ob dieser Erfolg ohne die Unterstützung Moholy-Nagys möglich gewesen wäre. Der vielseitige Künstler und ehemalige Bauhauslehrer leitete zu jener Zeit ein Atelier für Werbegrafik in Berlin und initiierte eine groß angelegte Werbekampagne, die das Glas aus Jena nicht nur auf ansprechend fotografierten Plakaten und anderen Druckmitteln – teils im aufwendigen Mehrfarbendruck – feierte , sondern die auch von Kinoeinspielern, Schaufensterwettbewerben, Rundfunkwerbung und Kochvorführungen flankiert wurde. Mit riesigem Erfolg: Während Wagenfeld die Produkte formte, modellierte Moholy-Nagy die Marke Jenaer Glas und festigte ihre funktionalen Vorzüge mit Slogans wie „Direkt vom Feuer auf den Tisch“ in den Köpfen der Kunden.

Zeitlos gut. Jenaer Glas heute.

Es sind sicher zwei Aspekte, die dazu führten, dass das temperaturbeständige Glas aus Jena sich erfolgreich über all die Jahre halten konnte und auch heute noch in vielen Küchen zu finden ist: Einerseits die zeitlose Formgebung, andererseits der überlegene Gebrauchsnutzen der Produkte. Hinsichtlich der thermischen Eigenschaften ist Jenaer Glas auch viele Jahrzehnte nach seiner Erfindung immer noch auf der Höhe der Zeit. Zusätzlich garantiert das porenfreie Glas, dass Aroma erhalten bleibt und der Geschmack keinesfalls beeinträchtigt wird.

Seit die Fertigung am Gründungsstandort Jena im Jahr 2005 eingestellt wurde, hat die Schott-Tochterfirma Zwiesel die Produktion und Weiterentwicklung der Marke Jenaer Glas übernommen. Teils werden erfolgreiche Entwürfe originalgetreu weiter hergestellt, teils werden auch neue Ideen entwickelt – natürlich weiterhin der Gestaltungsphilosophie Wagenfelds folgend. So steht das Jenaer-Glas-Logo auch heute noch für die optimale Verbindung aus Form und Funktion: Funktionskunst eben. Und wer freut sich nicht über einen Hauch von MoMA in seiner Küche?