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Messeimpressionen und neue Damen­oberbekleidung bei ­Manufactum

Ethical Fashion Show Berlin Good Society
Ethical Fashion Show Berlin Good Society

Die Ethical Fashion Show in Berlin ist eine Fachmesse für urbane Modekultur. Mehr als 120 internationale Marken präsentieren dort fair produzierte und ökologische Bekleidung und informieren über die Zukunft von nachhaltiger Produktion. Im „Greenshowroom“ stellen sich Premiummarken dieses Segments vor. Initiatorin und Organisatorin beider Veranstaltungen ist Magdalena Schaffrin, die bei ihrer Arbeit den Anspruch hat, das Schöne (in Form von modischer, eleganter Kleidung) und das Gute (in Form von transparenter Produk­tion sowie Einhaltung sozialer und ökologischer Standards) miteinander zu verbinden.

Für den Manufactum Bekleidungskatalog Herbst/Winter­ 2015 hat Magdalena Schaffrin einen Großteil der neuen Damenoberbekleidung kuratiert, begleitet von Christine Fehrenbach, Leiterin Markenentwicklung, und Angele Zettner, Leiterin Produkt- und Sortimentsentwicklung bei Manufactum. Beide haben die Ethical Fashion Show besucht. Wir haben mit Angele Zettner gesprochen.


MF: Frau Zettner, Sie haben sich auf der Ethical Fashion Show umgesehen. Welche Eindrücke haben Sie dabei gewonnen?
AZ: Insgesamt war mein Eindruck, daß es eine angenehm überschaubare Messe ist. Die Hersteller, die wir getroffen haben, vertreten ihre Markenphilosophie durchweg mit Überzeugung. Sie sind nicht nur dem Kunden zu Willen, wie man das sonst oft auf Messen erlebt. Sie haben klare Vorstellungen, was ihnen für ihre Produkte wichtig ist, und diese vertreten sie auch konsequent.

MF: Einige der ausstellenden Marken werden künftig bei Manufactum zu finden sein. Mit welchen Herstellern haben Sie konkret gesprochen?
AZ: Wir haben zum Beispiel lange mit Claudia Lanius gesprochen, von der wir eine größere Auswahl bringen. Wir haben auch mit Johanna Riplinger gesprochen und mit Good Society. Claudia Lanius bietet tragbare, nachhaltig produzierte Mode an. Johanna Riplinger beschäftigt sich intensiv mit konkreten Themen wie traditionellen Färbetechniken. Und Good Society will mit ihren Jeans so umweltverträglich wie möglich sein und verzichtet dafür beispielsweise komplett auf Chlor, was sonst kaum jemand tut.

MF: Warum sind die Gespräche mit den Herstellern für Sie so wichtig?
AZ: Natürlich hat jeder Hersteller auf seiner Website schöne Dinge stehen. Die kann man einfach so hinnehmen, aber ein persönliches Gespräch ist immer ein ganz anderer Prüfstein. Wenn man mit jemandem direkt über die Dinge spricht, die er sich auf die Fahnen geschrieben hat, dann merkt man schnell, ob er aus ernsthafter Überzeugung heraus handelt oder nur eine schöne Idee verkaufen will.

MF: Was macht diese Hersteller für Manufactum interessant?
AZ: Interessant für uns ist der Aspekt der Nachhaltigkeit. Dieses Thema war ja immer schon wichtig für uns, aber Nachhaltigkeit hat viele, auch neue Aspekte. Die Hersteller greifen diese Aspekte auf und setzen sie um. Einige legen dabei den Fokus auf die Qualität von Material und Verarbeitung. Andere sagen: Die Tiere, von denen die Produkte kommen, müssen unter guten Bedingungen gehalten werden. Wieder andere sagen: Ja, uns ist das Material auch wichtig, aber genauso wichtig ist es uns, soziale Projekte zu unterstützen. Das Schöne an der Auswahl, die wir getroffen haben, ist die Bandbreite. Sie ist stark von den Persönlichkeiten der jeweiligen Herstellers geprägt, die ihre ­Pflöcke eingeschlagen haben und im Rahmen dieser Claims mit viel ­Engagement das Optimum zu erreichen suchen.

MF: Gibt es bei dieser Vielfalt so etwas wie eine übergreifende ­Programmatik hinter den Kollektionen?
AZ: Wenn man es zusammenfaßt, kann man sagen, die Bekleidung ist nachhaltig produziert, ökologisch gut vertretbar und sie entspricht hohen sozialen Anforderungen. So kommen einige der Kleidungsstücke aus Schwellenländern, in denen Menschen in entsprechenden Projekten in Lohn und Brot gebracht werden. Aber auch die Transparenz ist wichtig. Es läßt sich immer aufzeigen, wo das jeweilige Produkt herkommt und aus welchen Materialien es hergestellt wird. Es geht dabei um bewußten Konsum: Der Kunde kann selbst entscheiden, welcher Nachhaltigkeitsaspekt ihm wichtig ist.

MF: Sie sprechen soziale Aspekte an. Einige der Hersteller lassen in asiatischen Schwellenländern produzieren. Wie paßt das zusammen, und wie paßt es zur Philosophie von Manufactum?
AZ: In diesen Ländern wird gemeinhin produziert, weil es so schön kostengünstig ist. Das ist jedoch nicht der Grund, warum die Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, dies tun. Es ist ja nicht per se schlecht, etwa in Indien fertigen zu lassen, wenn man das in der richtigen Form macht. Die Hersteller achten darauf, daß die Menschen vor Ort angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden und daß sie unter sozialen Gegebenheiten arbeiten, die rundum vertretbar sind. Es geht um wertige Arbeit, die der eigenständigen Versorgung dient und so den Menschen eine fundierte Lebensgrundlage sichert.

MF: Die Hersteller können Ihnen viel erzählen. Wie überprüfen sie ­deren Angaben?
AZ: Grundsätzlich stehen wir Zertifikaten kritisch gegenüber. Es gibt aber einige, die vertrauenswürdig sind, wie das GOTS-Zertifikat ­(Global Organic Textile Standard). Es definiert umwelttechnische Anforderungen und Sozialkriterien über die gesamten Produktions­abläufe. Dabei kann ein Rohmaterial, ein Produkt oder auch ein ganzes Unternehmen zertifiziert sein. Diese Zertifikate lassen wir uns vorlegen. Sie nennen Roß und Reiter, das heißt, die Lieferanten legen damit ihre Quellen komplett offen. Dieses Maß an Transparenz ist die Voraussetzung dafür, daß wir uns überhaupt mit Themen wie der Fertigung in Schwellenländern befassen.

MF: Zertifikate sind eine Sache, die Wahl der Rohmaterialien eine ­andere. Wie sieht es in dieser Beziehung aus?
AZ: Wir arbeiten weiterhin mit bewährten Naturmaterialien wie Baumwolle und Schurwolle. Hinzu kommen Zellulose-Regeneratfasern wie Tencel®, die aus vielerlei Basismaterialien gewonnen werden können. Sie können in geschlossenen Produktionskreisläufen aufbereitet werden, wodurch die Umweltbelastung geringer ist als bei manchem Naturmaterial. Auch hier setzen wir auf zertifizierte Rohstoffe, um zu gewährleisten, daß die Umwelt möglichst geschont wird und, etwa bei Wolle, eine ordentliche Tierhaltung gegeben ist.

MF: Wie wird das alles konkret sichtbar?
AZ: Konkrete Form nimmt dies bei der Damenoberbekleidung im kommenden Bekleidungskatalog an. Wir haben entschieden, dort auch modischere Kleidung als bisher anzubieten. Jedoch nicht im Sinne von „hochmodisch“ und „nur für eine Saison“, sondern „tragbar über mehrere Jahre hinweg“. Es sind deshalb vor allem gut kombinierbare Basis­stücke hinzugekommen, nicht nur schön, sondern zugleich auch zweckmäßig. Mit dieser Neuausrichtung wollen wir Käuferinnen ansprechen, denen die gleichen Kriterien wichtig sind, für die auch die Hersteller dieser Kleidung einstehen.

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