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Die missverstandene Hutschachtel

Wer den Begriff Hutschachtel hört, hat heute oft widersprüchliche Assoziationen. Auf der abwertenden Seite wird die Hutschachtel gemeinhin mit einem kleinen, beengten Raum gleichgesetzt oder als Schimpfwort für eine ältere, unbeliebte Frau verwendet. Deutlich positiver hingegen ist die Besetzung der Hutschachtel als Tresor für geliebte Erinnerungsstücke. Mittlerweile wird die Hutschachtel auch oft als Dekorationsobjekt verwendet, das zudem nützlichen Stauraum bietet. Allen diesen Zuschreibungen gemein ist jedoch, dass die eigentliche Daseinsberechtigung der Hutschachtel völlig aus dem Blick gerät: die Aufbewahrung eines Hutes – daheim oder auf Reisen.

 

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Hutschachteln bei Manufactum


Der Hut nahm den Hut. Und die Hutschachtel gleich mit.

Lange Zeit galt: Ohne Hut ist man nicht vollständig angezogen. Allein die ubiquitäre Verwendung des Wortes in Redewendungen zeugt von der ehemaligen Dominanz des Kleidungsstücks im Alltag: Man kann sich etwas an den Hut stecken oder den Hut vor jemandem ziehen, man kann vieles unter einen Hut bringen oder seinen Hut nehmen. Und das alles, ohne überhaupt einen Hut zu tragen.

Durch die Jahrhunderte hatte der Hut vor allem zwei wesentliche Funktionen: Einerseits war er bis weit über das Mittelalter hinaus ein gesellschaftliches Symbol, das die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht oder Klasse symbolisierte, andererseits diente er (in den Grenzen der sozialen Möglichkeiten) auch schon lange als modisches Accessoire, mit dem der Träger oder die Trägerin die eigene Persönlichkeit unterstrich. Nur verständlich, dass der (oft kunstvoll gefertigte) Hut nach einem entsprechenden Behältnis verlangte, das ihn bei Nichtbenutzung und vor allem auch auf Reisen vor dem Ungemach einer Beschädigung schützte: die Hutschachtel.

Heute sind es (vor allem für jüngere Generationen) vielfach nur noch historische Filme oder museale Ausstellungsstücke – gegebenenfalls auch alte Fotografien aus der eigenen Familie –, die die historische Verwendung der Hutschachtel illustrieren. Oder sollen wir sagen: der Hutschachteln? Denn oftmals war es mit einem Hut ja nicht getan. Zumindest wer es sich leisten konnte, reiste mit einem Hut für jede Gelegenheit, was die Zahl der Hutschachteln exponentiell ansteigen ließ. In besseren Kreisen war es dann die Dienerschaft, die den Berg an Hutschachteln in die Kutsche oder später gar ins Automobil wuchtete: zumeist runde, kofferartige Schachteln verschiedenster Größen, die sich kunstvoll an der Spitze des restlichen Gepäcks türmten.

Spätestens seit den 1960er Jahren ist der Hut als alltägliches Kleidungsstück Geschichte. War er in der Generation Adenauer und Churchill noch stilbildendes Element der öffentlichen Garderobe (man munkelt sogar, dass Churchill mehr Hutschachteln besessen haben soll als seine Frau) – erhob John F. Kennedy das Auftreten des gut gekleideten Mannes mit seiner Inauguration in eine neue, hutlose Ära. Und die Hutschachtel als ehedem unerlässliches Aufbewahrungsbehältnis verlor in weiten Teilen der Bevölkerung seine Daseinsberechtigung.

Kein alter Hut. Ein Plädoyer für die Hutschachtel.

Wir meinen: Es ist Zeit einzuschreiten. Noch ist der Ruf nicht ruiniert und die Hutschachtel kann sich ihren angestammten Platz im Bewusstsein der Menschen zurückerobern. Auch wer nicht vorhat, die Queen zum Pferderennen in Ascot zu begleiten, kann heute wieder guten Gewissens Hut tragen. In immer mehr Bevölkerungsschichten etabliert sich mehr Mut zum Hut und die Hutschachtel sollte dabei nicht in Vergessenheit geraten, dient sie doch nicht nur als praktisches, sondern auch formschönes Behelfsmittel zum Schutz und zum Transport der empfindlichen Kopfbedeckungen. Wer sich schon mal vor einer Flugreise in den Süden gefragt hat, wie in aller Welt er den sensiblen Strohhut transportieren soll, und am Ende dazu überging, ihn während der gesamten Reise auf dem Kopf zu tragen, wird den Komfort einer Hutschachtel zu schätzen wissen, die sich bequem im Handgepäck transportieren lässt.

Und selbst wenn der Anspruch nicht auf die Reise zielt: Auch auf der Garderobe oder im Schlafzimmer machen unsere stabilen Hutschachteln aus kaschierter Pappe mit einer gesteppten Einfassung aus Kunstleder eine gute Figur und schützen zugleich vor Staub oder Verblassen im Sonnenlicht. Egal ob in der klassisch-schwarzen Variante oder in der etwas größeren, roten Ausführung: Hauptsache, die Hutschachtel findet ihren Weg zurück in die Wohnungen und Häuser des 21. Jahrhunderts. Und zwar nicht als unbedacht ausgesprochene Herabwürdigung, sondern als wesentlicher Bestandteil des Aufbewahrungssystems. Das hat sie verdient.