Wenn es an die Bienen geht, dann tauschen die Benediktinerinnen in Rosans ihren schwarzen Habit mit dem weißen Overall des Imkers. Bienen lieben es nämlich ganz und gar nicht, wenn man sich ihnen in dunkler Kleidung nähert. Sie wähnen dann mit ihren Urinstinkten den Bären im Anmarsch und werden dementsprechend giftig. Das Kloster liegt ziemlich versteckt in einem Gebiet von Schieferverwitterungshalden in den französischen Voralpen und bietet für die Bienenhaltung sehr gute Voraussetzungen mit der Fülle von blühenden Kräutern und anderen Pflanzen. Honig ist immer ein Spiegel des Klein- und Kleinstklimas des jeweiligen Standorts und seiner Umgebung. Nonnen als Imkerinnen
In der belgischen Trappistenabtei Sint Sixtus in Westvleteren haben die Mönche darüber nachgedacht, daß sich mit dem Leben auch ihr Gebäude ändern müsse. Konkret hatten sie an zwei Dingen Unbehagen, die Generationen von Mönchen als unaufgebbares Zeichen besonderer Askese betrachtet haben: an der Kälte im Gebäude und an dem gemeinsamen Schlafsaal. Angesichts der Tatsache, daß ein eigenes Zimmer für einen jungen Menschen heute eine Selbstverständlichkeit darstellt, kamen die Mönche immer mehr zu der Einsicht, daß es gut wäre, dem berechtigten Wunsch Rechnung zu tragen nach etwas mehr Privatsphäre oder besser gesagt, persönlicher Zurückgezogenheit.
Abtei St. Sixtus in Westvleteren
Im Alltag einen Raum zum Innehalten zu finden, das symbolisiert nicht nur, sondern ermöglicht praktisch dieses Möbelstück, das wir nach der Idee der klösterlichen Chorstalle entwickelt haben. Als Transfer aus der klösterlichen Kultur wird es selbst zum Raum, grenzt ab, ohne abzuschotten, erinnert gestalterisch klar an sein Vorbild, übersetzt dieses aber eigenständig und in Form und Reduktion noch klarer. Die Chorstalle kann mitten im Raum, an einer Wand oder in einer Zimmerecke aufgestellt werden. Chorstalle. Ein Ort des Daseins
Ihren Lebensunterhalt verdienen die Mönche von St. Severin durch geistliche Kursangebote und vor allem durch die Herstellung von Seifen und anderen Körperpflegeprodukten. Es ist eine Arbeit, die sehr gut zur klösterlichen Abgeschiedenheit paßt, denn sie erfordert weniger große Maschinen und Anlagen als vielmehr Konzentration und Liebe zum Detail. Das ist Br. Georg anzumerken, der die gegossenen Seifenblöcke in handgerechte Stücke schneidet. Die Mönche von St. Severin
Diese klassischen, schlichten Ledersandalen werden in dem neu gegründeten Benediktinerkloster Sainte Marie de la Garde (bei Agen gelegen) gefertigt. Vor einigen Jahren wurde es von der provenzalischen Abtei Sainte Madeleine in Le Barroux gegründet, weil dort durch zahlreiche Neueintritte inzwischen Platzmangel herrschte. Die Mönche entschieden sich, eine Schuhmacherei für Sandalen einzurichten, weil sie selbst dafür reichlich Bedarf haben. Bei einem Besuch der beiden Klöster kann man sich davon überzeugen. Br. Sebastien ist der Schustermeister, und er legt Wert auf eine klare, puristische Gestaltung und akkurateste Verarbeitung. Benediktinisches Schuhmacherhandwerk
Gregorianischer Choral macht das Wort hörbar, und er ist auch Resonanz auf das gehörte Wort. Und dieses Wort stammt aus der Bibel, in vielen Fällen aus den Psalmen, in denen die ganze Bandbreite an menschlichen, exemplarischen Lebenssituationen enthalten ist. Uns begeistert der Gedanke, den Choral in einem Gestus künstlerischer Offenheit zu präsentieren. Der Hörer sollte so vom reinen Hören (faktisch oder ästhetisch) über die mentale oder psychologische Beteiligung (Emotionen, Entspannung, Energien), über die semantische Reflexion (Text, Musik) bis hin zur Meditation und Kontemplation gelangen können – soweit er eben gehen möchte. Edition Klangschritte
Ungewöhnlich gleich in mehrfacher Hinsicht sind Kloster und Weingut, die wir Ihnen hier vorstellen möchten. Cremisan, das ist ein kleines Salesianerkloster in der Nähe von Bethlehem. Seit 1885 ist der Orden der Salesianer Don Boscos dort ansässig. Die Ordensgründung des hl. Don Bosco ist in den 160 Jahren ihrer Geschichte zu einem der größten Männerorden der katholischen Kirche herangewachsen und hat auch heute noch eine ziemlich stabile Mitgliederzahl. Die Gründung in Bethlehem zählt zu den ältesten des Ordens und ist noch zu Lebzeiten des Gründers entstanden. Wein aus Bethlehem
Es gibt Orte, die kommen mir abgelegen, schwer, ja kaum erreichbar vor. Eigentümlich, daß es gerade diejenigen sind, mit denen ich mich schon längere Zeit beschäftige. Aber durch irgendwelche Umstände, durch scheinbare Hindernisse, wird der Reisetermin ein ums andere Mal verschoben. Arabien oder Amerika oder Australien, das sind keine Entfernungen. Dort war ich noch nie, und diese Weltgegenden stehen momentan auch nicht auf meiner Liste, dorthin zieht es mich jetzt nicht. Die Entfernung beginne ich erst dann zu spüren, wenn ich schon Verbindung zu einem Ort aufgenommen habe. Da macht sich dann zeitliche Ausdehnung der gedanklichen Linie in der Wahrnehmung des Raums bemerkbar. Die Schwelle
Schlaglichtartig und beispielhaft schauen wir uns zwei ganz unterschiedliche Orte klösterlichen Lebens und Wirkens in Deutschland an, deren Genius aus dem hohen Mittelalter herrührt und bis heute lebendig ist, mit anderen Worten: zukunftsfähige Gegenwart, Geistesgegenwärtigkeit. Da ist zum einen Gnadenthal im Taunus, ein Kloster mit ganz besonderer Struktur, das mit seinem Dorf verschmolzen ist. Und zum anderen ist da die alte Benediktinerabtei Plankstetten im Sulztal, von der entscheidende Impulse für den modernen biologischen Landbau ausgegangen sind. Klostermodelle
Ursprünglichste Faszination wohnt dem Handwerk der Glockengießer inne, die sich aus ihrem Umgang mit Feuer und kochender Bronze ebenso speist wie aus ihren geheimen Künsten, Klang und Form der Glocke vorauszuberechnen. Erfahrung und Geschick des Gießers bestimmen darüber, mit welchem Klang die Menschen zum Kirchgang gerufen werden. So nimmt es nicht wunder, daß es unmöglich erscheint, hier auf engstem Raum Mythos und Handwerk auch nur ansatzweise auszukosten. Die hier vorgestellten Glocken entstammen einer der wenigen Glockengießereien Deutschlands und noch dazu der einzigen Klosterglockengießerei der Welt: aus Maria Laach. Glocken
Knäckebrot ist eines der vielen kulinarischen Beispiele, da man aus der Not eine Tugend gemacht hat. Denn ursprünglich ging es darum, ein Brot mit möglichst langer Haltbarkeit zu backen. Pater Werner backt es puristisch und in zwei verfeinerten Varianten, die praktisch keinen Brotbelag mehr benötigen. Knusprige Printen (ihr Geheimnis liegt in kleinen Kandisstückchen) empfehlen sich zum Beispiel auch als Wanderproviant, da sie nahrhaft und würzig sind und nicht brechen. Knäcke- und Früchtebrot
Am Kloster Neustift beginnen die Weinberge auf 600 m und klettern bis fast 900 m hinauf. Hier herrscht ein Klima, das für die fruchtbetonten Weißweinsorten wie geschaffen ist. Sie fühlen sich hier sehr wohl, denn sie mögen es grundsätzlich nicht zu heiß und brauchen das Wechselspiel zwischen warmen Tagen und kühlen Nächten. Dadurch entwickeln sich die Aromen besonders gut, und die anregende Säure bleibt auch erhalten. Komplex ist die Abstimmung Sorte und Lage. Denn kaum ändern sich Ausrichtung, Hangneigung oder Höhenlage eines Weinberges, verändert sich das Mikroklima so sehr, daß nur durch einen Sortenwechsel die Potentiale dieser Kleinstlagen optimal genutzt werden können.
Terroir
„Es gibt Tage, an denen war ich vielleicht überhaupt nicht fromm, aber dafür nett zu 250 Menschen“, beendet Sr. Georgia die Ausführungen zu ihrer Berufungsgeschichte und ihres Lebens als Ordensfrau der Missions-Benediktinerinnen in Wessobrunn. Nun ist es seit einigen Tagen bekannt: das Kloster wird in der nächsten Zeit verkauft werden. Die Welt der Nonnen, ist sie eine aussterbende? Und wieviel haben wir bisher mitbekommen, bekommen wir heute mit von dem so oft verborgenen Leben der Schwestern, von ihrer Entschiedenheit, Hingabe und Passion? Es ist auffällig, daß gerade in letzter Zeit einige Publikationen genau auf diese Frage Antworten gesucht haben.
Ordensschwestern
Die Musik des Abendlandes singt und klingt seit mehr als 1.400 Jahren und hat die Kulturräume Europas mit ihren von Vielfalt und Fülle geprägten Werken und durch ihre Entwicklung zur Mehrstimmigkeit bereichert. Sie beginnt also nicht etwa – wie in vereinfachten Darstellungen oft zu finden – bei Bach und Monteverdi. Ihre Quellen und Wurzeln liegen in den einstimmigen, lateinischen Kultgesängen des Christentums, die nach dem Papst Gregor dem Großen unter der Gattungsbezeichnung „Gregorianischer Choral“ gefaßt sind.
Gregorianischer Choral
"In einem Klostergarten geht es um den Einklang mit der Schöpfung, man lernt die Pflanzen als empfindliche Wesen kennen", berichtet Abt Klaus aus der ökumenischen Zisterzienserabtei St. Severin in Kaufbeuren. Der Umzug des Klosters vor zwei Jahren bedeute für die Gemeinschaft, auch den zugehörigen Klostergarten lassen zu müssen – einen Biotop-Wildkräutergarten, in dessen Bestand sich viele seltene Kräuter aus aller Welt befanden. Am neuen Standort ergab sich jedoch die Möglichkeit der Anlage eines Zwölffelder-Klostergartens wie er aus mittelalterlichen Klosterplänen bekannt ist.
Klostergarten St. Severin
"Ich mag Sträucher und Bäume sehr gerne", berichtet Br. Felix OSB, Gärtnermeister der Benediktinerabtei Beuron. "Sie sind wie gute treue Freunde, die jahrelang am selben Ort stehen und einen zu grüßen scheinen, wenn man ihnen begegnet. Sie strahlen Ruhe und Beständigkeit aus und sind doch immer unterwegs zum nächsten Stadium des Wachsens und Reifens. Die Pflanzen wachsen in der Regel nach oben, dem Licht oder dem Himmel zu. Gleichzeitig verankern sie sich immer mehr in der Erde. Das richtige Verhältnis zum Himmel und zur Erde ist eine Voraussetzung für Beständigkeit und Wachstum."
Klostergarten
Das Schmieden in Damaszener- oder Damasttechnik, also das Verschweißen unzähliger Lagen Stahl zu einem besonders haltbaren und zugleich elastischen Werkstück, ist die Vollendung aller Schmiedekunst. Pater Abraham, der die Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede leitet, hat sich seit einiger Zeit dieser Kunst verschrieben. Auf der folgenden Seite erfahren Sie mehr über die erstaunlichen Möglichkeiten des Materials und seine Wandlung zum Schmuckstück oder Brieföffner. Damaszenerstahl
Es waren die Klöster, die im Abendland die Wertschätzung der Arbeit wesentlich verändert haben. In der griechischen Antike galt sie – vom Landbau bis zum Kunsthandwerk – als niedrigste Stufe menschlicher Tätigkeit, als mit der Würde freier Männer unvereinbar. Im Alten Testament war sie den Menschen als Buße auferlegt, im Schweiße deines Angesichtes sollte er sein Brot essen. Das Neue Testament erst gab der Arbeit einen selbstverständlichen Platz im Leben, ganz Selbstzweck oder zum Götzen werden aber soll und darf sie nicht.
Klösterliche Arbeit
Öl, Wein und Brot sind urmenschliche Nahrungsmittel und haben im Christentum eine reiche symbolische Bedeutung. So kommt es nicht von ungefähr, daß die Benediktiner in der provenzalischen Abtei St. Madeleine in Le Barroux sich gerade der Herstellung dieser drei Lebensmittel widmen und – als einziges Kloster in Frankreich – eine Ölmühle betreiben. Drei verschiedene Öle sind es, die sie erzeugen und denen sie provenzalische Namen gegeben haben, um die geschmackliche Verschiedenheit anzudeuten. Provenzalische Olivenöle
Zwischen den Klöstern klassischer Bauweise im Abendland und solchen aus dem östlich-orthodoxen Kulturkreis gibt es einen klaren und jedem sofort ins Auge fallenden architektonischen Unterschied: den Kreuzgang. An den Kreuzgang sind alle wichtigen Bauteile und Räume des Klosters wie Kirche, Speisesaal, Kapitelsaal und die Wohnräume der Mönche angeschlossen. Im Osten hingegen findet man die Kirche im Zentrum der Anlage, so daß es einen Kreuzgang gleichsam als Hauptverkehrsader des Klosters nicht gibt. Zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte also... Kreuzgang
Fünf Leiter klösterlicher Weingüter aus Österreich, Südtirol und Ungarn, allesamt Weinenthusiasten, fanden sich im Januar 2011 in der Vinothek Klosterneuburg ein, um einige Stunden mit einem ihrer Lieblingsweine zu verbringen: mit dem Gewürztraminer. Nicht so sehr auf „wissenschaftliche“ Erkenntnisse hatten sie es abgesehen oder gar auf die Vergabe von „Punkten“, sondern auf die vielen Facetten, die sich zwischen Terroir und persönlichem, emotionalem Geschmacksempfinden einstellen können. Momentaufnahmen aus Degustation und Gespräch finden Sie auf der folgenden Seite.
Klosterneuburger Gewürztraminergipfel 2011
Zwei Pole sind es, die Spannung und Dynamik des Klosterlebens aufbauen: das tätige und das beschauliche Leben, „vita activa“ und „vita contemplativa“. Diese beiden Begriffe der antiken Philosophie sind existentielle Begriffe des menschlichen Lebens und von daher nicht auf den Raum des Klosters beschränkt. Schaut man sich die vielen klösterlichen Produkte in diesem “Katalog” an, so mag der Gedanke naheliegend erscheinen, daß in diesen Klöstern die Aktivität einen großen Stellenwert einnehmen müsse. Andererseits sind es doch gerade die sogenannten „beschaulichen“, „kontemplativen“ Orden, die einen Großteil dieser Waren herstellen. Klosteralltag
Während die Welt sich dreht, verbringt der Kartäuser sein Leben in seinem Kloster. Und das ist schon so seit der Gründung des Ordens durch den hl. Bruno von Köln, der im 12. Jahrhundert auf der Suche nach immer mehr Einsamkeit und Innerlichkeit in den französischen Voralpen seinen Ort fand: das Gebirgsmassiv der Chartreuse, von dem der Orden seinen Namen erhielt und wo die große Kartause steht, die Grande Chartreuse, das Mutterkloster. Daß einer der kleinsten Orden zur größten Klosterlikörbrennerei überhaupt gekommen ist, verdankt sich nicht einer alten Klosterapotheke oder geheimen Forschungen, sondern zunächst einmal: dem Zufall. Kartäuser
Das deutsche orthodoxe Dreifaltigkeitskloster Buchhagen im Weserbergland ist im letzten Jahr zwanzig Jahre alt geworden, doch die Klosterkirche muß noch gebaut werden. Die Pläne dazu hat Archimandrit Johannes seit langem erstellt, auf ihrer Grundlage erläutert er die geistigen Grundlagen orthodoxer Architektur. Indem die Maßverhältnisse des Tempels den reinen Naturintervallen entsprechen, wird er selbst harmonischer Raumklang. So ist die Vierung von den Proportionen der Oktave, der Doppeloktave und der Quinte beherrscht, den musikalischen Symbolen für Ganzheit, Kosmos, überhimmlische Welt und geistiges Königtum. Musik und Architektur
Vor zwanzig Jahren wurde im beschaulichen Buchhagen der Grundstein des orthodoxen Dreifaltigkeitsklosters gelegt. Abt Johannes gelang es damit, seinen Traum von einem deutschen orthodoxen Kloster zu verwirklichen. Jahre zuvor war er auf dem Athos in den Überlieferungsstrom der byzantinischen Kloster- und Weltkultur eingetaucht und wagte, dies alles nach Deutschland zu verschiffen – aber nicht als ein exotisches Museum, sondern als lebendiges Kloster, das sich dem ältesten christlichen Kulturerbe verpflichtet weiß. In Handarbeit stellen die vier Mönche Johanniskraut-Hautöl und einen Kirschlikör her.
Kloster Buchhagen
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