Volumen 1,45 l. Gewicht 710 g.
Ein Jahrhundertgeschirr:
Hermann Gretsch war einer der überragenden
Gestalter des 20. Jahrhunderts.
Theodor Heuss, selbst seit 1913 Mitglied
und zeitweise gar Geschäftsführer
des Deutschen Werkbundes (und
1949–1959 erster Präsident der Bundesrepublik
Deutschland), beschrieb den
aus Augsburg stammenden Architekten
so: Gretsch sei
weder Puritaner
noch Asket, er
wisse auch um
Schmuck, Spiel
und Überschwang,
doch sei sein Sinn
auf das Beständige
gerichtet, die bleibende Grundform,
die den Alltag nicht mit Pathos, ewiger
Feierlichkeit oder dekorativer Unruhe
verwirre.
Die Form Arzberg 1382 entstand 1931,
wurde bereits kurz nach ihrer Entstehung
mit hochkarätigen Preisen ausgezeichnet
(Goldene Medaille der VI.
Triennale in Mailand 1936, Goldene Medaille
der Pariser Weltausstellung 1937)
– und hat inzwischen drei Generationen
begleitet. Wir bieten den Klassiker seit
mehr als zehn Jahren an, undekoriert
und seit einiger Zeit auch dekoriert.
Das Gretsch Kaffeeservice. Hier: mit Blaublütendekor.
Blaublüten, ein Arzberger
Verlagsdekor des Gestalters Max
Richter, wird seit 1935 produziert. Das noch von Gretsch
autorisierte Fonddekor zeigt blaue
Blütenranken auf weißem Grund und
wird – mit Ausnahme der feinen blauen
Umrißlinien – nicht von Hand gemalt
(was es nachgerade unerschwinglich
machen würde), sondern mittels
Schiebedruck aufgebracht. Bei dieser
recht aufwendigen Technik wird das
Dekorbild in einer Siebdruckerei auf
Spezialpapier gedruckt, mit einer feinen
Lackschicht überzogen, ausgeschnitten,
kurz in Wasser gelegt und dann
vom Papier auf den zu dekorierenden
Artikel übertragen bzw. „geschoben“,
angerakelt und dann gebrannt.
Industrieform.
In den fast drei Jahrzehnten von 1907 - dem Gründungsjahr des Deutschen Werkbundes - bis 1933 gab es in Deutschland bemerkenswert ernsthafte und insgesamt erstaunlich wirksame Anstrengungen, gegenüber der industriellen Massenproduktion kulturelle Ansprüche geltend zu machen. Gestaltung als »Zivilisationsarbeit«, nicht als Zuckergießerei, Design als Kultur- und nicht als Verkaufsargument. Das, was später als »deutsche Industrieform«, als die speziell »deutsche Industriekultur« und noch später als »deutsches Design« bezeichnet wurde, hat hier seine Grundlage.
Eines von vielen Beispielen dafür bieten die Einflüsse, die Werkbund-Gestalter in den 30er Jahren auf die in der keramischen Industrie sich mächtig ausdehnende Serienfertigung ausübten. Damals - »zeitgemäß« waren die üppigen Formen des Art déco - entstanden Tafelservice, die in aller Welt stilbildend wirkten und heute allesamt als »Phänomen« gelten: Das »Hallesche Service« von Marguerite Friedländer (Burg Giebichenstein), das »Urbino« von Trude Petri in Berlin und das folgende, das unter den großen Entwürfen der 30er Jahre allein deshalb eine Sonderstellung einnimmt, weil es - anders als die anderen - tatsächlich seit fast siebzig Jahren ununterbrochen im bayerischen Arzberg von der dort ansässigen, gleichnamigen Porzellanfabrik hergestellt und vertrieben wird: Das »Gretsch-Service« oder auch »Arzberg 1382«.
Hinweis:
Die undekorierten und dekorierten Teile sind spülmaschinenbeständig sowie mikrowellengeeignet.