Dampfgebogenes Eschenholz.
Laufschienen und Beschläge Stahl. Länge 1,01 m, Breite 33 cm, Höhe 29,5 cm. Sitzfläche L 74 x B 26,5 cm,
Sitzhöhe 23,5 cm. Gewicht 6,1 kg.
Belastungsgewicht max. 200 kg.
Opulentes Original. Der Davoser.
Holz zu biegen, sei es im Möbel- oder
Karosseriebau, ist seit vielen Jahren
die Kernkompetenz des Schweizer
Wagnereibetriebs Graf – weshalb man
ihn nicht selten auch dann ruft, wenn
Schwierigkeiten auftreten und außergewöhnliche
Lösungen gefragt sind. Vor
diesem Hintergund wundert es nicht,
daß sich der Davoser Schlitten – der
Schlittenklassiker schlechthin – aus
seinem Betrieb durch eine Materialität
und Verarbeitung auszeichnet, die
ihresgleichen sucht und ihn von den
vielen schwachbrüstigen Epigonen
meilenweit abhebt. Dies zeigt sich in
jedem Detail, etwa bei der Stärke des
verwendeten Eschenholzes, der enormen
Stabilität der Verstrebungen an
den Böcken oder den opulenten Gleitschienen,
die vorne wie hinten weit um
die Enden der Kufen herumgeschlagen
sind und so für zusätzliche Festigkeit
sorgen. Ein Davoser von Graf ist somit
nicht nur ein Schlitten, der seit Generationen
gefertigt wird, sondern auch
einer, der Generationen überdauern
kann.
Prachtexemplare ihrer Gattung. Schlitten und Rodel.
Der erste, der über das Rodeln berichtete,
war der griechische Biograph und
Geschichtsschreiber Plutarch. Nach
seinen Schriften sollen die Cimbern, ein
germanischer Volksstamm, nackt durch
den Schnee auf Berge gelaufen sein,
wo sie sich auf breite, flache Schilde
setzten, abstießen und zu Tal sausten.
Von dort bis zur Nacktrodel-WM unserer
Tage in Braunlage im Harz ist es formal
nur ein kleiner Schritt, technisch
betrachtet liegen jedoch Welten zwischen
beiden Ereignissen. Schließlich
dauerte es noch viele Jahrhunderte, bis
man alpenländische Transportschlitten
kurzerhand zu Sportgeräten umfunktionierte
bzw. weiterentwickelte, wie wir
sie kennen.
Als Geburtsstunde des Rodelsports
heutiger Ausprägung wird der 12. März
1883 angesehen. An diesem Tag kam
es in der Schweiz auf der Strecke Davos–
Klosters zum ersten „Wettschlitteln“.
Von diesem Zeitpunkt an wurde
das Rodeln rasant populärer. Überall
dort, wo es Berge gab, begannen
Handwerksbetriebe mit der Fertigung
von Schlitten und Rodeln – teils alteingesessene, teils neue
Betriebe, die seinerzeit ihre bis heute
währende Tradition begründeten.
Wer sich als der Novize mit dieser Art
Wintersport befaßt, lernt zuallererst,
daß Schlitten und Rodel nicht dasselbe
meint. Ein Schlitten wie der Davoser
besitzt eine starre Konstruktion und einen
harten Holzsitz. Er ist eher für gemütliches
Tempo ausgelegt und wird
gelenkt, indem man einen Fuß in den
Schnee setzt, gewissermaßen also einseitig
bremst. Der beweglich aufgebaute
Rodel mit anpassungsfähigem Sitz
ermöglicht dagegen auch hohe Geschwindigkeiten.
Er ist so konstruiert,
daß er spurtreu ist und selbst auf Eis
noch Ausweichmanöver ermöglicht.
Man lenkt ihn, indem man die Vorderkante
der Kufe innen ent- und außen
belastet. Dies geschieht durch Gewichtsverlagerung
– vor allem der Arme
–, aber auch mit den Füßen und mit
dem an den Kufenenden befestigten
Riemen.