Die Chorstalle. Ein Ort des Daseins

Chorstalle

Ein weißgekleideter Mönch steht in aufrechter Haltung vor einem Kreuz. Er hat ein aufgeschlagenes Buch in der Hand. Vor ihm eine Betbank, hinter ihm ein Möbelstück, das etwas schwieriger zu deuten ist.

Nehmen wir an, es sei ein Sitzmöbel. Auffällig ist die Kleidung des Mönches: Er betet nicht barhäuptig und trägt doch Sandalen. Es ist offensichtlich, daß er sich in einem Raum befindet, wozu dann die Kapuze? Der Kälte wegen wird er sie doch nicht tragen, denn dann sollte er auch wärmeres Schuhwerk wählen. Also scheint es ihm nicht gleichgültig zu sein, welch äußeres Bild er bei seinem Gebet abgibt. Er behält die Kapuze auf dem Kopf, denn sie ist das Zeichen seiner Zurückgezogenheit von der Welt, und er behält auch die Sandalen an seinen Füßen, das Zeichen seiner Armut.


Raum und Zeit gestalten.

Wenden wir unseren Blick wieder dem kleinen Raum zu. Er wirkt wie eine winzige Kapelle. Betbank und Kreuz erklären sich leicht. Auf der Betbank scheint noch ein weiteres Kreuz zu stehen, vielleicht ein Geschenk oder Erinnerungsstück. Zudem erblicken wir dort ein sorgsam aufgestelltes Bild: vermuten wir, es sei ein Heiligenbild. 

Der kleine Raum ermöglicht es also, in Ruhe und Abgeschiedenheit ein bewußtes Gebet in typischen Gebetshaltungen zu vollziehen. Auch sitzen kann der Mönch, wenn er etwa einen längeren Abschnitt aus der Bibel lesen möchte. Dazu hat er hinter sich ein ungewöhnliches Sitzmöbel. Es ist kein bequemer Sessel mit Polsterung, sondern ein hölzerner Sitz mit Seitenwangen. Dieser Sitz wird traditionell mit dem merkwürdigen Begriff der „Chorstalle“ bezeichnet. In Klosterkirchen hat jeder Mönch seinen festen Platz im Chorgestühl, und diesen nennt man von jeher „Stalle“. Nicht von ungefähr erinnert das an einen Stall, der Schutz und Geborgenheit vor Wind und Wetter bietet. Die Seitenwangen bieten den betenden Mönchen einen kleinen Abstand der Diskretion und Zurückgezogenheit. Auf unserem Bild ist es jedoch ein Kartäusermönch, der als Einsiedler allein in seinem Wohnraum betet. Deshalb hat er seine Stalle dort, als sei sie aus der Kirche verpflanzt worden.

Die Stalle signalisiert ihm: Dies ist der Ort des Gebetes. Dort kann er jene Gebetsvollzüge beibehalten, die
er aus der Kirche gewohnt ist. Sie grenzt einen kleinen Bezirk des täglichen Wohnraums ab, reserviert und ritualisiert ihn. Die Funktionalität des Raumes und seiner Einrichtung ermöglicht ihm, symbolisch mit einem Schritt aus dem Alltag herauszutreten und in Zeit und Ort des Betens einzutreten. Intensiv und entschieden leben. „Mönch“ leitet sich her vom griechischen „monachos“, das ist „einer, der allein lebt“. In deutschen Ohren liegt aber auch das Wort „Mensch“ nicht weit davon, was Goethe wiederum klanglich vom lateinischen „mens“, „Geist“, abgeleitet wissen wollte. Ein Mönch (als Archetyp zumindest) scheint nicht nur ein besonders religiöser, sondern überhaupt ein besonders entschieden und intensiv lebender Mensch zu sein (für Nonnen gilt dasselbe, nur fehlt der deutschen Sprache, anders als etwa der griechischen, das Wort „Mönchin“). Entschieden und intensiv zu leben, das bedeutet auch, in klaren Räumen und Ausdrucksformen zu leben, Verzicht zu üben um des besseren Durchblicks willen. Es bedeutet, Bedürftigkeit nicht als Mangel, sondern als Chance inneren Wachstums zu begreifen. Eigenbrötler zu werden ist das Ziel des Mönches nicht, immer mehr menschlich zu leben schon. Und das zeigt er ritualisiert, indem er regelmäßig aus den alltäglichen Funktionszusammenhängen heraustritt. Von diesem Bewußtseinspunkt ausgehend, schafft er sich nicht nur einen, sondern viele Orte des Daseins, deren rote Fäden jedoch immer wieder an diesem eigentümlichen Ort der Stalle zusammenlaufen.

Chorstalle

Aus dem Alltag heraustreten.
Greifbares Ergebnis dieser Gedanken ist das ungewöhnliche Möbelstück, das wir Ihnen hier zeigen. Diese säkulare Chorstalle ist nicht dem Gebet vorbehalten. Ihr Anliegen ist aber dasselbe:

Raum und Zeit im Alltag für Innerlichkeit, Muße, bewußte Entscheidungen sichtbar abzugrenzen. Sie bietet Geborgenheit durch ihre Rückwand und die Seitenwange, ist aber zugleich offen und deutet an, daß die Beziehung zur Welt gewahrt bleibt.

Die Chorstalle bietet die Chance, täglich eine Zeit bewußt zu reservieren und zu gestalten. Das können Stunden oder nur Minuten oder Sekunden sein. Sitzen, Denken und Nichtdenken, Sprechen und Singen, Betrachten oder „Abschalten“, Lesen oder Dichten ... Hier gilt es, den eigenen Umgang mit und in dem Raum der Chorstalle zu finden. Das Pult, ebenfalls fest installiert, hat eine besondere Funktion. Aufgeklappt offenbart es eine vergoldete Messingplatte, die für sich schon eine Augenweide darstellt. Sie bezeichnet den Ort für Gegenstände, die dem Benutzer der Stalle besonders wertvoll, eine Herzens- oder Geistesangelegenheit sind. Der Vergleich mit dem Heiligenbild des Mönches liegt nahe. Heruntergeklappt dient sie als Schreibpult. Und natürlich ist es möglich, Einladungen in die Stalle auszusprechen, denn sie bietet Platz für zwei Personen und ermöglicht eine intime Gesprächssituation.

Chorstalle EichenholzChorstalle EichenholzChorstalle EichenholzChorstalle Eichenholz

Klösterlicher Kulturtransfer, praktisch.
Die Chorstalle ist als Gemeinschaftswerk entstanden und wurde im Gespräch zwischen P. Abraham Fischer (Meschede), Martin Erdmann und den beiden in sakraler Architektur erfahrenen Bochumer Architekten Dirk Boländer und Gido Hülsmann entwickelt, die schließlich den Entwurf ausgeführt haben. Für die Konstruktion und den Bau zeichnet die Tischlerei der Abtei Königsmünster in Meschede unter ihrem Leiter Frank Siegert verantwortlich. Wir sind uns ihres hohen Preises durchaus bewußt, aber auch dessen, was gedanklich, gestalterisch, materiell und handwerklich in ihr steckt. Sie ins Werk zu setzen war uns allemal mehr wert als rein wirtschaftliche Überlegungen. Die Chorstalle als praktischer Transfer klösterlicher Kultur in den Alltag ist für uns ein spannendes Experiment, und es war ein Moment besonderer Freude, sie endlich vor uns zu sehen und betreten und ausprobieren zu können. Nun sind wir neugierig auf ihren weiteren Weg.

Martin Erdmann

Trenner
Chorstalle

Ein Möbel als Raum.

Im Alltag einen Raum zum Innehalten zu finden, das symbolisiert nicht nur, sondern ermöglicht praktisch dieses Möbelstück, das wir nach der Idee der klösterlichen Chorstalle entwickelt haben. Als Transfer aus der klösterlichen Kultur wird es selbst zum Raum, grenzt ab, ohne abzuschotten, erinnert gestalterisch klar an sein Vorbild, übersetzt dieses aber eigenständig und in Form und Reduktion noch klarer. Die Chorstalle kann mitten im Raum, an einer Wand oder in einer Zimmerecke aufgestellt werden. Die Grundplatte ruht auf einem Rahmen „schwebend“ über dem Fußboden. Auf der geräumigen Sitzbank haben bis zu zwei Personen Platz.

Das Pult hat aufgeklappt eine Höhe von 120 cm. In ihm ist eine 2 mm starke, blattvergoldete Messingplatte gleichsam als „stiller Monitor“ für Gegenstände der Betrachtung eingelassen.

Heruntergeklappt bietet es eine massive Schreibfläche. Als Zubehör ist eine Filzauflage für die Sitzbank erhältlich.

Chorstalle aus Eichenholz.

Handwerkliche Herstellung aus 4-cm-Eichenholz-Dreischichtplatte. Oberfläche geölt. Scharniere Sonderanfertigung aus Messing, Pult mit blattvergoldeter Messingplatte. Entwurf: Dirk Boländer und Gido Hülsmann, Bochum (www.soan-architekten.de).

Grundfläche 120 x 120 cm, Höhe der Seitenwangen: 123 cm; Sitzfläche 116 x 46 cm, Sitzhöhe 46 cm. Gewicht ca. 150 kg. Seitenwangen oder Pult können auch spiegelverkehrt eingebaut werden; ebenso sind farblich andere Oberflächengestaltungen gegen Aufpreis möglich. Bitte setzen Sie sich dazu mit unserer Sonderbestellabteilung (+49-2309-93 90 50) in Verbindung.

Chorstalle Eichenholz 4.800,00 Euro

 

Liefer- und Montagehinweis:
Die Chorstalle ist eine Sonderanfertigung, die auf Ihre Bestellung hin in der Tischlerei der Benediktinerabtei Königsmünster, Meschede, hergestellt wird.

Lieferzeit:

6 bis 8 Wochen. Die Anlieferung erfolgt demontiert durch eine Spedition frei Verwendungsstelle.
Die Montage kann anhand der Anleitung problemlos selbst vorgenommen werden, allerdings wird
eine zweite Person zum Halten der Einzelteile benötigt.
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