Warenkorb

Bienenhaltung. Imkern in der Stadt

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher „Beuten“, in denen man ein Bienenvolk halten kann. Die Bienenkiste ist eine Variante, die auf der Basis einer historischen Beute vom Hamburger Stadtimker Erhard Maria Klein gemeinsam mit Thomas Radetzki in Zusammenarbeit mit Mellifera e.V. entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine Holzkiste vom Format 100 x 43,5 x 21 cm (L/B/H), die auf ihrer Bodenseite geöffnet werden kann. Etwa drei Viertel des Innenraums bilden den Brutraum für das Bienenvolk; das letzte Viertel kann durch einen Trennschied davon abgegrenzt werden. Erst wenn Brut und Vorräte im Brutraum weit gediehen sind, wird er herausgenommen und dient dann als Honigraum, in den die Wabenwände für die spätere Honigernte eingehängt werden.

Bienenkiste

Der Brutraum verfügt über keinerlei Mittelwände; hier werden lediglich vor dem Bezug Wachsstreifen im Abstand von 3,5 cm aufgetragen, an denen sich die Bienen für den Aufbau der Brutwaben orientieren. Der Vorteil der Bienenkiste ist ihre Einfachheit – mit etwas Geschick läßt sie sich auch eigenhändig bauen. Zum Öffnen wird sie über die Stirnseite gekippt und mit einem Besenstiel o.ä. stabilisiert. Da sie aber bei steigernder Brutaktivität und sich sammelnder Honigtracht nur hinten angehoben wird, muß nie das ganze Gewicht bewegt werden. Es wird ohnehin über das Jahr gerechnet nicht allzu oft nötig sein; inklusive aller Kontrollgänge, Ernte und der unabdingbaren Behandlung des Bienenvolks mit Ameisensäure zur Abwehr der Varroa-Milbe rechnet Klein mit einem jährlichen Zeitaufwand von etwa 10–12 Stunden. In guten Jahren lassen sich aus so einer Bienenkiste ohne weiteres ca. 10–20 kg Honig ernten – genug für Selbstversorger also allemal.

Bienenkiste

Ratschläge für Bau oder Kauf einer solchen Bienenkiste finden Sie auf der Internetseite www.bienenkiste.de. Erhard Maria Klein hat darüber hinaus im Darmstädter pala-Verlag zwei Bücher veröffentlicht. „Die Bienenkiste“ erläutert den Bau der Bienenkiste und stattet Sie mit dem allerwichtigsten Wissen über die Bienenzucht aus, während „Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste“ detailliert auf vieles eingeht, was im ersten Band nur gestreift werden konnte. Zusammen bieten die Bände eine erste, grundlegende Einführung in die Imkerei. Eine gute Adresse für Anschauungsmaterial bietet darüber hinaus der Video-Kanal youtube.de. Hier finden Sie zahlreiche Filme, in denen Hobbyimker ihr Tun und Treiben dokumentieren, darunter auch solche, die dabei z.B. einen gesamten Jahreszyklus mit ihrem Bienenvolk in der Kleinschen Kiste erläutern.

Imkern in der Stadt. Mit Bienenkisten.

Imkern war lange Zeit ein fast ausschließlich ländliches Thema. Hier, inmitten üppiger Vegetation und lang andauernder Blütenpracht, standen die Bienenvölker, und der Imker galt gewissermaßen als Landwirt besonderer Art. Das hat sich ein wenig geändert. Der Grund: Bienen sind über mehrere Monate auf eine fortschreitende Chronologie unterschiedlicher Blütenstände angewiesen, um ihren Vorrat zu sammeln. Und die ist, je mehr es in der Landwirtschaft in Richtung Monokultur geht, immer weniger gegeben. So paradox es klingt: Der städtische Imker findet heute oft bessere Voraussetzungen vor als sein Kollege in einer landwirtschaftlich, aber monokulturell geprägten Region. Wo ein ländliches Bienenvolk beispielsweise nach Ende einer großen, fast alle umliegenden Felder in sattes Gelb tauchenden Rapsblüte nur noch wenig Nahrung findet, ist der Tisch für die Bienen in der Stadt aufgrund der unterschiedlichsten Bäume und Blumen in Parks, Gartenanlagen und Kleingärten sowie auf den Balkonen vom Vorfrühling bis in den Spätherbst kontinuierlich gedeckt. Die aus dieser Tatsache resultierende Menge an Honig ist einer der vielen Gründe, warum in den letzten Jahren immer mehr Stadtbewohner zur Imkerei finden. Ein anderer ist die Bestäubungsleistung, die ein Bienenvolk im Umfeld erbringt. Etliche der Stadtimker verstehen ihr Hobby aber auch als Einsatz für die gefährdeten Bienenbestände, die seit über drei Jahrzehnten durch die Varroa-Milbe bedroht werden.

Eine Bienenkiste eignet sich hier durch ihre einfache Handhabung und platzökonomische Anlage gerade für Einsteiger. Wer sich einmal etwas ausführlicher mit der Biene beschäftigt hat, wird die Faszination nachvollziehen können. Denn als Tier ist der „Superorganismus“ Biene von bewundernswerter Komplexität und wartet noch heute für die Bienenforscher mit immer neuen Überraschungen auf. Ihre Haltung aber, gründliche Vorbereitung (und Unterstützung von anderen, erfahrenen Imkern und Imkervereinen) vorausgesetzt, ist auch für den Laien eine durchaus beherrschbare Angelegenheit.

Bienensterben

„Wesensgemäße Bienenhaltung“.

Der 1985 angesichts steigender Verluste an Bienenvölkern durch die Verroa-Milbe gegründete Verein Mellifera e.V. („Apis mellifera“ ist der zoologische Name der Honigbiene) hat ein Konzept der „wesensgemäßen“ Bienenhaltung entwickelt. Die Honigbiene wird dabei nicht als manipulierbares Nutztier wahrgenommen, sondern als Wesen, das seiner Art und seinem natürlichen Verhalten entsprechend behandelt werden soll.

Das schließt etliche Techniken und übliche Eingriffe des Imkers aus, so etwa die Vorgabe von Brutwaben, das künstliche Züchten und das Ersetzen der Königin ohne natürlichen Grund oder die in der konventionellen Imkerei übliche Unterdrückung des Schwarmtriebs im Sommer, wenn sich ein Teil des Bienenvolkes mitsamt der alten Königin eine neue Behausung sucht, während der Rest mit ihrer Nachfolgerin verbleibt. Sie beschränkt sich darüber hinaus in der Ausbeute: Der im Sommer von den Bienen angelegte Honigvorrat soll sie möglichst über den Winter bringen, geerntet wird nur der Überfluß, statt wie üblich den Honig zu einem Großteil zu entnehmen und als Honigersatz für die Winterfütterung Zuckerwasser einzusetzen.

Selbst wenn Zufütterung wegen einer schlechten Sammelsaison und eines harten Winters nötig sein sollte, erfolgt sie mit mindestens 10% Honig. Die wesensgemäße Bienenhaltung versteht sich aber nicht allein tierethisch als geboten, sie will zugleich einen Weg aufzeigen, der zu widerstandsfähigeren, örtlich angepaßten Bienenvölkern führt, und beruft sich dabei auf zahlreiche neue Erkenntnisse der Bienenforschung (einen kurzen Überblick über die wissenschaftlichen Hintergründe finden Sie auf der Internetseite mellifera.de; dort bietet der Verein den Aufsatz „Bienen verstehen, wesensgemäß imkern“ von Johannes Wirz zum Herunterladen an). Eine Bienenkiste ist aufgrund ihrer Anlage als geschlossenes System optimal für die Umsetzung der wesensgemäßen Bienenhaltung geeignet, denn sie kommt weitgehend ohne Eingriffe in die natürlichen Lebensabläufe der Bienen aus.

Schwarmbörse.de.

Bleibt schließlich noch eine Frage zu klären: Wie kommt man denn eigentlich zu einem Bienenschwarm? Sie ist für die wesensgemäße Bienenhaltung recht einfach zu beantworten, denn ihr Konzept setzt ja wie dargestellt gerade das Zulassen des Schwarmtriebs voraus. Die dabei entstehenden neuen Bienenvölker werden auf der Schwarmbörse angeboten – kostenlos oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung. Die Schwarmbörse ist eine von Mellifera e.V. initiierte Internetseite, auf der fast 9.000 Teilnehmer als Schwarmsuchende oder als Schwarmfänger eingetragen sind. Eine Neuregistrierung ist für eingetragene Mitglieder im Beratungsnetz wesensgemäße Bienenhaltung oder im Bienenkisten-Netzwerk, sofern sie noch kein eigenes Bienenvolk besitzen, jederzeit möglich. Die Seite richtet sich dabei jedoch nicht nur an Imker – auch wenn man als Privatperson ein gerade geschwärmtes Bienenvolk als Traube im Astwerk seines Gartenbaumes vorfindet, kann man dies auf der Webseite www.schwarmboerse.de melden – die Schwarmbörse vermittelt dann so schnell wie möglich einen kundigen Imker, der sich der herrenlosen Tiere annimmt.


Bienenfreundlicher Garten. Unterschlupf und Nahrung für Insekten

Die Bedeutung der Bienen für die menschliche Nahrungswirtschaft ist immens: Der überwiegende Teil von Obst, Gemüse und Futtermitteln entsteht nur, weil jemand die Bestäubungsleistung übernimmt. In Asien werden dafür zunehmend Menschen eingesetzt; der Erfolg dieser Bemühungen hält sich in Grenzen. In den meisten Teilen der Welt ist nach wie vor die Honigbiene dafür zuständig, und deshalb geht vom noch immer nur ansatzweise geklärten Bienensterben eine besondere Gefährdung unserer Nahrungsversorgung aus.
Bienenfreundlicher Garten