In windgeschützter, mittlerer Lage
(ca. 600 m) holt sich der Sylvaner seine
reifen Fruchtnoten: Äpfel, Birnen und
Honigmelonen klingen an. Er ist mineralisch am Gaumen, bleibt aber stets saftig. Als vielseitiger Essensbegleiter
schätzen die Südtiroler ihn besonders
zur Jause, und das heißt: Er ist bodenständig
und doch elegant. Trocken. Alkoholgehalt 13,0 Vol.-%.
0,75-l-Flasche.
Südtiroler Klosterwein: Abtei Neustift bei Brixen. Architektursymbolik. Der Makrokosmos.
Eigenwilligste Fluchtpunkte und Sinnlinien
führen den Besucher und Pilger
stufenweise in die Welt des Brixener
Chorherrenklosters Neustift. Seit 1142
ist dieser ungewöhnliche Klosterbau im
Tal des Eisack zu dem gewachsen, was
uns heute noch fasziniert. Einige
Schritte vor dem Kloster ist der Gast
schon da angekommen, wohin das
Sehnen des mittelalterlichen Menschen
ging, soweit Irdisches in Rede stand: in
Rom, dem Haupt des ganzen Erdkreises.
Wie das? Indem ihn eine zwar kleine,
aber unverkennbare Nachbildung
des Castel Sant’ Angelo, der Engelsburg,
empfing und noch empfängt.
Über dem Eingang dieses trutzigen,
ehemaligen Pilgerhospizes prüft der
Erzengel Michael auf der Waage der
Gerechtigkeit die Seelen: sicherlich eine
Aufforderung zu innerer Prüfung und
Vorbereitung.
Doch war dies dem späteren Barockmenschen
mit seinem kosmisch-emblematischen
Denken offenbar nicht
genug. Davon zeugt der achteckige
Brunnen im Prälatenhof. Die Zwickel
seines Baldachins sind ausgemalt mit
den Darstellungen der Sieben Weltwunder.
Natürlich durfte die achte Bildfläche
nicht leer bleiben. Was lag da
näher, sie mit einer Ansicht des Klosters
selbst zu schmücken, und das
nicht ohne Sinn: auf der gegenüberliegenden
Seite finden wir eine Darstellung
der Hängenden Gärten Babylons!
Und so wurde der Brunnen auch ausgeführt,
als mirakulöser, nach innen
verlagerter Makrokosmos, voller
Selbstbewußtsein, doch zugleich mit
spielerischen Nuancen. Wer nun die
Prälatur durchschreitet, findet sich unvermittelt
vor der Basilika wieder und erlebt eine weitere Erhebung von Seele
und Geist, über das Irdische hinaus in
die Geistigkeit des Gotteshauses. In
seiner barocken Ausstattung ist es angefüllt
von unzähligen sinnfälligen Metaphern
des Übersinnlichen. Aber auch
hier ist die Neustifter Welt noch nicht
zuende.
Weinbau. Der Mikrokosmos.
Hinter der Basilika und der Klostermauer
beginnen bereits die Weingärten
der Chorherren, und diese offenbaren
Erstaunliches und Lehrreiches. Denn
hier sind auf engstem Raum vier Klimazonen
und damit vier Rebsorten mit
einem
Blick und innerhalb weniger
Schritte zu erfassen: von der Kältezone
unten an der Mauer mit den robusten
Kernerreben bis hinauf in luftige, warme
Höhen, wo der Gewürztraminer und
der Riesling gedeihen, zu deren Füßen,
windgeschützter, noch Reihen von Sylvaner.
So finden wir das Kloster umgeben
von einem önologischen Mikrokosmos,
der die ganze Sorgfalt und
Ernsthaftigkeit offenbart, mir der hier
Weinbau betrieben wird. Den Neustifter
Keller speisen Reben auf 5 ha Fläche
direkt ums Kloster herum, dazu kommen
weitere 20 ha in Girlan und Bozen
(einen Besuch wert: das eigene Restaurant
im Marklhof bei Bozen). Sehen
Sie selbst, welch hervorragende Zeugnisse
südtiroler Weinbaukunst die
Chorherren zu bieten haben.